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Privatautonome Gestaltung der Vorstandshaftung

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Kilian Eßwein

Das Buch untersucht die zentralen Wertungen und Bestimmungen, die bei Gestaltungen hinsichtlich der Vorstandshaftung zu beachten sind. Vorstände von Aktiengesellschaften werden zunehmend Adressaten von Haftungsansprüchen. Gründe hierfür sind nicht nur spektakuläre Unternehmenszusammenbrüche, sondern auch einfache Sorgfaltspflichtverletzungen. Vor diesem Hintergrund tauchen Fragen nach Gestaltungsmöglichkeiten und Reformbedarf auf, die der Autor aufgreift. Er prüft einzelne Gestaltungen im Bereich der Vorstandshaftung eingehend auf ihre Zulässigkeit. Nach einem Blick auf das Recht des US-Staates Delaware erörtert er aktuelle Reformerwägungen und entwickelt einen eigenen Formulierungsvorschlag für eine gesetzliche Neuregelung der Gestaltbarkeit der Vorstandshaftung.
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3. Teil. Ökonomischer Hintergrund; Principal-Agent-Problematik

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3. Teil.  Ökonomischer Hintergrund; Principal-Agent-Problematik

Auch aus ökonomischer Perspektive ist die Vorstandshaftung von Interesse. Insbesondere der sog. Principal-Agent-Ansatz widmet sich den Fragestellungen, die immer dann auftauchen, wenn eine Person (der Agent) von einer oder mehreren anderen Personen (dem/den Prinzipal/en) beauftragt390 wird, ihre Interessen wahrzunehmen.391 Als Mittel der Disziplinierung lässt sich auch aus ökonomischer Perspektive an eine Haftungsandrohung denken. Um jedoch die Relevanz der Vorstandshaftung aus der Sichtweise der Ökonomik zu verstehen, ist es erforderlich, die theoretische Einbettung näher zu beleuchten. Dafür soll zunächst erörtert werden, an welcher Stelle der Ökonomik die Principal-Agent-Theorie zu verorten ist. Sodann werden die adressierten Problemkonstellationen sowie ihre spezifischen Aussagegehalte dargestellt. Im Anschluss daran wird die Relevanz für die Frage der Vorstandshaftung aufgezeigt.

A.  Ökonomischer Hintergrund

Die Principal-Agent-Theorie ist Teil der Neuen Institutionenökonomik. Sie ist in ihren Ausprägungen teils sehr verschieden, wobei als übergeordnete Kategorien der normative Principal-Agent-Ansatz und der positive Principal-Agent-Ansatz unterschieden werden können.392 Der normative Ansatz nähert sich der Problematik unter Heranziehung mathematischer Methoden, wobei mit abstrahierenden Modellen gearbeitet wird, die die Strukturen unter Ausklammerung vieler Faktoren zu erklären suchen.393 Demgegenüber wählt der positive Principal-Agent-Ansatz eine eher deskriptive Herangehensweise, weil davon ausgegangen ← 71 | 72 → wird, dass wegen der Mehrdimensionalität394 der betrachteten Beziehungen eine mathematische Erfassung nicht gelingen kann.395

Im Folgenden werden die Grundannahmen aus der Perspektive der positiven Agency-Theorie erörtert, weil sie wegen ihrer mehrdimensionalen Betrachtungsweise eher geeignet ist, die im...

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