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Norm als Zwang, Pflicht und Traum

Normierende versus individualisierende Bestrebungen in der Medizin – Festschrift zum 60. Geburtstag von Heinz-Peter Schmiedebach

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Edited By Eva Brinkschulte and Mariacarla Gadebusch Bondio

Erklärte Ziele der Medizin sind Wiederherstellung, Erhaltung sowie Förderung der psychischen und physischen Gesundheit. Dabei wird in der alltäglichen Praxis oft die Grenzziehung zwischen dem «Normalen» und dem «Pathologischen» unreflektiert vorgenommen. Der Band ist der interdisziplinären Aufarbeitung von medizinischen Normierungsdiskursen und -praktiken vom 19. bis 21. Jahrhundert gewidmet. In den Beiträgen werden die Bestrebungen, normale bzw. durchschnittliche medizinische Werte zu definieren, ausgelotet: Von der gesundheitspolitischen Normierung der Gesundheit bis zu den Visionen einer anzustrebenden gesunden «Normalität», deren Grenzen heute durch die Optimierungspraktiken der wunscherfüllenden Medizin verwischt sind.
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Schneller, höher, stärker – Zum Wandel männlicher Körpernormen um 1900

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Abstract Das rein körperliche Erscheinungsbild und das männliche Körperideal unterlagen in der Zeitspanne vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 1. Weltkrieges einem grundlegenden Wandel. Der Beitrag wirft zunächst ein Schlaglicht auf die ästhetische Repräsentation wilhelminischer Männlichkeit und die im 19. Jahrhundert stark durch das Militär geprägten Formen von Männlichkeit und ihre soziale Bedeutung. Daran anschließend wird dargestellt wie sich die Veränderung der körperlichen Norm unter der maßgeblichen Mitwirkung von Medizinern – beispielhaft stehen hierfür die Beiträge des Hygienikers Ferdinand Hueppe – vollzog. Insbesondere die Systeme körperlicher Ertüchtigung, die mit Praktiken und Techniken des Selbst verbunden waren, wie das um 1900 neu aufkommende „Bodybuilding“ steht im Zentrum der Betrachtung.

Um 1900 änderte sich das männliche Körperideal grundlegend. Die Umgestaltung und Neueinschreibung der Männlichkeit orientierten sich an hygienischen-physiologischen und ästhetischen Kriterien. Die verschiedenen Techniken und Praktiken der Körperbearbeitung bzw. Körperertüchtigung differenzierten sich in den zweieinhalb Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg stark aus. In der Zeitspanne von 1890 bis 1920 wurden die neuen, zumeist aus England und Amerika kommenden modernen Sportarten wie z. B. Fußball und Leichtathletik populäre und als „Wundermittel“ körperlicher Erziehung entdeckt. Einfluss besaßen dabei auch die Bestrebungen der Lebensreform-Bewegung, unter die die vielfältigen Strömungen der Nacktkörperkultur, verschiedene Gymnastiksysteme und auch die entstehende Bodybuilding-Bewegung1 subsumiert werden können. ← 51 | 52 →

Die verschiedenen Körperpraktiken...

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