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Das Gymnasium der Migrationsgesellschaft

Deutschförderung für mehrsprachige Schüler zwischen Zweit- und Bildungssprache

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Gerald Fischer

Spätestens seit der Jahrtausendwende befindet sich das Gymnasium in einer krisenhaften Umbruchphase. Gerald Fischer beleuchtet eine bislang vernachlässigte Facette jenes Wandlungsprozesses, nämlich den wachsenden Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf den Schulalltag des Gymnasiums? Welche Besonderheiten gymnasialen Unterrichts erklären den geringeren Bildungserfolg mehrsprachiger Schüler mit nichtdeutscher Erstsprache? Wie muss ein Förderkonzept aussehen, das die Erwerbsbedingungen von Deutsch als Zweitsprache berücksichtigt? Auf diese Fragen gibt das Buch u. a. anhand von Sonderauswertungen amtlicher Statistiken und Jahrgangsstufenarbeiten, sowie eigener Sprachstandserhebungen und Expertenbefragungen Antworten.
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Vorwort

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Das erste Mal nahm ich das Phänomen „Deutsch als Zweitsprache“ im Jahre 2005 zur Kenntnis, in meinem zweiten Schuljahr als Lehrkraft an einem Münchener Gymnasium. Ich hatte gerade die Klassenleitung in einer 5. Klasse übernommen, in der etwa zwei Drittel der Schüler1 einen Migrationshintergrund hatten. Diese sprachen mit ihren Eltern zu Hause oftmals nicht Deutsch, sondern z.B. Türkisch, Russisch, Tamil, Vietnamesisch, Serbokroatisch oder Arabisch. Viele von ihnen beherrschten die Unterrichtssprache Deutsch deshalb nicht auf dem Niveau, das nach den allgemeinen Vorstellungen ein Schüler mitbringen muss, wenn er den Übertritt an das Gymnasium geschafft hat. Ich merkte schnell, dass ich nicht einfach den Lehrplan abarbeiten konnte; zu groß war die Heterogenität im sprachlichen Leistungsvermögen, die ich im Klassenzimmer antraf.

Auf diese Situation war ich weder in fünf Jahren Universitätsstudium noch in zwei Jahren Referendariat vorbereitet worden. Aber da ich nun einmal zehn Wochenstunden Deutsch und Geographie in dieser Klasse unterrichten sollte, konnte ich die großen sprachlichen Leistungsnachteile einiger Fünftklässler mit nichtdeutscher Muttersprache nicht einfach ignorieren. Ich musste mich notgedrungen mit der Frage beschäftigen, wie ich diesen Kindern helfen konnte. Ein Blick auf den damaligen Forschungsstand zeigte mir sehr schnell, dass es auf diese Frage noch keine befriedigende Antwort gab: Das Thema „Deutsch als Zweitsprache (DaZ) am Gymnasium“ befand sich noch weitgehend im wissenschaftlichen Niemandsland. Meine alltäglichen Nöte im Unterricht wurden bis dahin offenkundig nicht als ein allzu drängendes Problem empfunden. Was lag also...

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