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«Die Zeitalter werden besichtigt»

Aktuelle Tendenzen der Kinder- und Jugendliteraturforschung – Festschrift für Otto Brunken

Series:

Edited By Gabriele von Glasenapp, Andre Kagelmann and Felix Giesa

Die Autoren widmen sich drei unterschiedlichen Schwerpunkten der Kinder- und Jugendliteraturforschung: den historischen Aspekten, der kinder- und jugendliterarischen Bildforschung sowie in thematischen und narratologischen Einzelstudien Aspekten aktueller und historischer Kinder- und Jugendliteratur und ihrer Didaktik. Diese Schwerpunkte stecken zugleich die Arbeits- und Forschungsbereiche Otto Brunkens ab, dem dieser Band gewidmet ist. Otto Brunkens Lehr- und Forschungstätigkeit liegt seit rund drei Jahrzehnten maßgeblich auf der gesamten Bandbreite der (historischen) Kinder- und Jugendliteraturforschung sowie der Literaturkritik und den Bildmedien.
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A[lois] Th[eodor] Sonnleitner. Auf den Spuren des Erfolgs eines österreichischen Longseller-Autors

Ernst Seibert (Wien)

A[lois] Th[eodor] Sonnleitner. Auf den Spuren des Erfolgs eines österreichischen Longseller-Autors

1.    Vorbemerkungen

1.1.  Sonnleitner als Klassikerphänomen

Die Parameter, die das Profil eines Erfolgsautors konstituieren, sind vielfältig, weitschichtig, letztendlich auch inkommensurabel, und nicht selten geht das Innovative, Originelle, vielleicht sogar Geniale, mit dem Trivialen Hand in Hand. Im Falle von Alois Theodor Sonnleitner (Pseud. für Alois Tlučhoř, 25.4. 1869 Daschitz bei Pardubitz/Böhmen – 2.6. 1939 Perchtoldsdorf b. Wien) ist das Vielfältige und Weitschichtige noch lange nicht ausgelotet. Wir haben oder hätten es mit einem österreichischen Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur zu tun, wenn denn neben den vielen international anerkannten Kinder- und Jugendliteratur-Klassikern auch österreichische Werke überhaupt in das Feld der Klassiker-Diskussion einbezogen würden, was nur sehr marginal erfolgt. Sonnleitners Sonderposition unter den Klassikern besteht offenbar darin, dass bei ihm von zwei einander bedingenden Kriterien, dem der Internationalität und dem der nationalen Repräsentation, das zweite nur bedingt zutrifft: Er stammt aus Böhmen, hatte seinen Lebensmittelpunkt in Österreich, wurde erst mit einem österreichischen Pseudonym bekannt und fand dann seine eigentliche Verbreitung durch einen deutschen Verlag. Man kann den Zwiespalt zwischen dennoch lang anhaltender Popularität und nationaler Nicht-Identität schlicht darauf zurück führen, dass Sonnleitner – überwiegend in der Franckh’schen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart verlegt – in Deutschland weitaus mehr verbreitet war und ist als in Österreich, aber diese Erklärung allein erscheint unzureichend. Die Erklärung müsste eher bei dem Befund ansetzen, dass die Positionierung österreichischer AutorInnen zwischen Sein und Nicht-Sein als Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur auch mit der noch sehr dürftigen Forschungslage zu dieser Frage zusammenhängt. Aus diesem Mangel könnte man leicht folgern, es gäbe de facto kaum nennenswerte österreichische Kinder- und Jugendliteratur-Klassiker1, und Sonnleitner ← 51 | 52 sei durch seine Nicht-Identität einfach ein Ausnahme-Autor und als solcher vor dem Vergessen-Werden schlicht nicht gefeit.

Damit ist ein sehr grundsätzliches Thema angesprochen, das hier nur angedeutet werden kann. Es besteht schlicht darin, dass in Österreich durch das sehr auf Aktualität bedachte Wirken Richard Bambergers und des von ihm gegründeten und Jahrzehnte geleiteten ‚Buchklubs der Jugend’ die Geschichte der österreichischen Kinder- und Jugendliteratur und damit die Klassikerfrage aus dem M­etier geradezu radikal ausgeblendet wurde, wenngleich sich – und das ist sehr zu betonen – Bamberger immer wieder als kundiger Historiker der Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur erwiesen hat. In seiner Jugendlektüre (Bamberger 1955, 19652), dem Vademekum der Österreichischen Jugendbuchpädagogik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, kommt Sonnleitner nicht vor.2 Diese Nichtbeachtung kann mit ein Grund für das Vergessen auf österreichischem Boden sein, zumal Sonnleitners Werke, gemessen an Neuausgaben über seinen Tod hinaus, bis Mitte der 1950er-Jahre noch beachtliche Verbreitung durch seinen Stammverlag in Stuttgart, fanden. Seit 1987 erschienen Sonnleitners Höhlenkinder dann bei dtv junior als Einzelbände. Damit war Sonnleitner gewissermaßen endgültig ‚außen vor’; eine Identitäts-Dissimilation hatte Platz gegriffen, nicht die einzige im Hinblick auf österreichische Autorschaft – und nicht nur in der Kinder- und Jugendliteratur. So wie bei Bamberger findet Sonnleitner auch in den folgenden fünf Werken, deren Konzeption nach er eigentlich zumindest erwähnt werden sollte, keine Aufnahme: Hurrelmann 19953, Kümmerling-Meibauer 19994 und 20035, Lexe 2003 und Schilcher 2013. ← 52 | 53

Ein wesentliches Kriterium für den Status von Klassikern, das der internationalen Verbreitung, ist bei Sonnleitner durchaus gegeben: In der Dissertation von Rolf Marbach (1996) wird u. a. die Verbreitung der Höhlenkinder in hebräischer, finnischer, englischer, italienischer und niederländischer Sprache bis Ende der 1970er-Jahre nachgewiesen, ebenso eine Verfilmung für das Fernsehen. Alle Voraussetzungen, es in den Klassiker-Olymp zu schaffen, sind also vorhanden, sodass fast der Eindruck entsteht, die Nicht-Kanonisierung Sonnleitners bzw. seines unbestreitbar meistverbreiteten Werkes, der Trilogie der Höhlenkinder, hätte ihre Ursache darin, dass Sonnleitner es auch in seinem Herkunftsland nicht zum Klassiker gebracht habe.

Aber es ist nicht Bamberger allein bzw. ‚nur’ den asymmetrischen Teilen der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur-Verlagslandschaft anzulasten, dass Sonnleitner heute im Bewusstsein kaum mehr präsent ist. Der ‚Fall’ Sonnleitner gestaltet sich durchaus komplexer, und wenn nun diese Komplexität etwas genauer in Augenschein genommen werden soll, dann nicht in der Absicht, ihn doch noch kanonisieren zu wollen, sondern vielmehr, um die prinzipiell etwas anderen Rahmenbedingungen zur Genese der österreichischen Kinder- und Jugendliteratur und ihrer sehr wohl vorhandenen Klassiker zu erörtern.

Soweit Sonnleitner im Alltagsbewusstsein doch noch präsent ist, wird er mit einiger Selbstverständlichkeit fast ausschließlich mit den Höhlenkindern aus den frühen 1920er-Jahren identifiziert. Dabei wäre gleich zu fragen, warum eigentlich eben dieses Werk des damals bereits 50-jährigen Autors singulär aus der Vielzahl der anderen herausragt und warum man so lange Zeit nicht nach dem literarischen Werdegang des kinder- und jugendliterarischen Autors Sonnleitner gefragt hat, der bereits vor 1900 begonnen hat. Um den diachronen Blick auf seine Werkgeschichte etwas zu vertiefen, sind die folgenden Ausführungen nach einer noch eingeblendeten etwas genaueren Forschungsgenese chronologisch in vier Abschnitte – bis 1910, also noch vollkommen in der Habsburger-Monarchie, und dann in Dekaden – gegliedert, weil so das Werden des Gesamtwerkes zumindest skizziert und auch mit relevanten Einflüssen besser erkennbar gemacht werden kann.

1.2.  Die Forschungsgenese

Die folgenden ergänzenden Notizen gehen z. T. auf die Darstellung in der Dissertation von Rolf Marbach aus dem Jahr 1996 zurück und bringen aus der Forschungslage bis dahin und darüber hinaus einige Ergänzungen und Erweiterungen. Als früheste Rezension nennt Marbach aus dem Erscheinungsjahr der Höhlenkinder jene von Brechenmacher (1919), worin bereits der später einge ← 53 | 54 bürgerte Begriff des Kulturerarbeitungs-Romans geprägt wird. Weitere frühe Rezensionen stammen von Eduard Burger (1923 und 1931). Diesen überwiegend wohlwollenden Urteilen sind die von Helmut Müller (s. u.) zitierten Rezensionen aus der ‚Jugendschriften-Warte’ gegenüberzustellen, in der die Höhlenkinder 1920 in die „Auswahl wertvoller Jugendlektüre“ aufgenommen werden. Das Urteil über Sonnleitners Koja-Bände fällt in der ‚Jugendschriften-Warte’ hingegen nicht mehr so positiv aus: „für den Geschmack vieler Kinder … zu langweilig“ (Müller 1984, 412). Marbach nennt an frühen Quellen weiterhin zwei Artikel von Klara (Clara) Tlučhoř sowie eine Rezension aus der Zeitschrift ‚Unsere Heimat’.

Eine erste ausführlichere Darstellung des Autors stammt von Hubert Partisch von 1961, mit der eigentlich eine tatsächlich biographisch forschende Ausei­nandersetzung mit dem Autor beginnt. Wahrscheinlich hatte diese Biographie zur Folge, dass Sonnleitner auch in das 1964 erschienene Bio-bibliographische Literaturlexikon Österreichs von Hans Giebisch und Gustav Gugitz aufgenommen wurde. Mehrfache Erwähnung und z. T. ausführliche Darstellung findet Sonnleitner in dem von Klaus Doderer herausgegebenen Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur. Mit Helmut Müller (1984) nimmt sich erstmals ein ausgewiesener Kinderbuchspezialist des Autors an; er belegt die Höhlenkinder-Trilogie mit dem Begriff einer „mitteleuropäischen Robinsonade“ und stellt ihn damit in ein neues interpretatorisches Spannungsfeld, das vermutlich noch kaum aufgegriffen wurde. Im selben Lexikon gibt es auch in anderen Beiträgen weitere Hinweise auf Sonnleitner: So erwähnt ihn Malte Dahrendorf im Artikel „Inselmotiv“ (1984, 16), ebenso Richard Bamberger in seinem „Österreich“-Artikel (1984, 596), und Reinhard Stach nimmt ihn in seinen Beitrag über die Geschichte der Robinsonaden auf (1984, 188 f.). Unverkennbar besteht ein Zusammenhang zwischen dieser Wiederentdeckung aus Sicht der Kinderbuch-Forschung und den dann 1989 beginnenden Neuauflagen von Sonnleitners Höhlenkinder-Trilogie bei dtv junior.

Eine weitere ‚Bewerbung’ Sonnleitners erfolgte in dem Sammelband Abc und Abenteuer von Baumgärtner und Pleticha (1985). Diese Textsammlung nimmt im ersten Teil Beispiele aus der Kinder- und Jugendliteratur vom Mittelalter bis zum Barock sowie aus der Aufklärung und der Romantik auf, der zweite Teil widmet sich dem späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.6 Im zweiten Teil rangieren unter den 63 AutorInnen drei Österreicher: Peter Rosegger, Adalbert Stifter und A. Th. Sonnleitner. (Auch diese Statistik bzw. Auswahl muss hier nicht ← 54 | 55 kommentiert werden; in Summe ist festzustellen, dass unter den 120 ‚deutschen’ kinder- und jugendliterarischen AutorInnen vier Österreicher zu finden sind und einer davon Sonnleitner ist.)

In der fortgesetzten chronologischen Darstellung der Befassungen mit Sonnleitner wird bei Marbach zunächst auf Walter Kleindel (1987) verwiesen, sodann auf drei unabhängig voneinander erschienene Artikel aus dem Jahr 1989, dem 120. Geburts- bzw. 50. Todesjahr Sonnleitners, Artikel von Heller, Seibert und Soukup. Von Seibert stammt dann nochmals eine ausführlichere Würdigung in dem von Kurt Franz, Günter Lange und Franz-Josef Payrhuber herausgegebenen Loseblatt-Lexikon zur Kinder- und Jugendliteratur (Seibert 1995). Die im Folgejahr erschienene Dissertation von Rolf Marbach führt zwar diesen Artikel nicht in der Bibliographie an, kommentiert ihn jedoch wie auch die drei Beiträge zum Sonnleitner-Erinnerungsjahr von 1989 im abschließenden Kapitel der Arbeit (Marbach 1996, 210–215). Nur in knappen Zügen, aber erstmals eingebunden in eine größere literarhistorische Abhandlung, behandelt Viktor Böhm (1995) Sonnleitner und sein Werk und attestiert den Höhlenkindern den Nimbus eines „großartige[n] Experiment[es]“ (Böhm 1995, 92).

Danach folgt mit einigem zeitlichen Abstand (2008) das opus magnum von Friedrich C. Heller Die bunte Welt. Handbuch zum künstlerisch illustrierten Kinderbuch in Wien 1890–1938, in dem nach ausführlichen allgemeinen Abhandlungen 1294 Kinderbuchtitel bibliographisch minutiös aufgelistet und registriert sowie insbesondere hinsichtlich ihrer Illustrationen erläutert werden, die für eine Vielzahl von AutorInnen und IllustratorInnen, darunter auch Sonnleitner, erheblichen Erkenntnisgewinn erbringen. Die acht von Heller behandelten Titel rangieren unter drei verschiedenen Namen: Unter „Tlučhoř“ finden sich 1892 die Zeitschrift Für die Jugend des Volkes [Nr. 2] und 1897 der Sammelband Thierfreundliche Jugend [Nr. 8] – beide mit Beiträgen von Tlučhoř – sowie 1907 Der Bäckerfranzl [Nr. 73]; unter dem (ersten) Pseudonym „Schlagbrandtner“ 1907 Des Freiherrn von Münchhausen Abenteuer und Reisen [Nr. 74] und unter „Sonnleitner“ 1923 Die Hegerkinder von Aspern [Nr. 653], 1924 Die Hegerkinder in der Lobau [Nr. 766], 1925 Rübezahl und der Klöppel-Hannes [Nr. 935] und 1927 Die Hegerkinder im Gamsgebirge [Nr. 1093].

Nach dem monumentalen Werk von Heller sind noch zwei Diplom-Arbeiten und eine Dissertation zu nennen, die für Sonnleitner und die Interpretation seiner Werke von einigem Aufschluss sind. Die Diplomarbeit von Kerstin Gittinger (2011) nimmt zwar nicht auf Sonnleitner Bezug, stellt jedoch die Situation der österreichische Kinder- und Jugendliteratur der Zwischenkriegszeit in neuen Zusammenhängen dar, die auch für die Beurteilung von Sonnleitners Werken ← 55 | 56 durchaus relevant sind. Eine weitere Diplomarbeit, von Daniela Gettinger (2013), befasst sich zentral mit Sonnleitners Höhlenkinder-Trilogie und die thematisch sehr weit gefasste Dissertation von Christine Glattauer (2013) nimmt in einigen Passagen auch Stellung zu den Werken von Sonnleitner.

2.    Schaffensphasen

2.1  Warnungs- und Besserungsgeschichten um 1900

In den frühen Jahren seiner schriftstellerischen Ambitionen war Sonnleitner (damals noch Tlučhoř) noch nicht sehr populär, befand sich jedoch in sehr populärer Umgebung. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend und schon als Kind nach Österreich immigriert, besuchte er die Schule zunächst in Pöchlarn, maturierte in Melk und gelangte sodann in den Künstlerkreis des Siebener-Clubs, der später die Wiener Secession gründete. Wiederholt wird darauf hingewiesen, dass die sehr prägenden Erlebnisse dieser Jahre vor seiner Berufstätigkeit als Bürgerschullehrer und Schuldirektor in seinen sehr autobiographisch basierten Schriften (Hegerkinder-Trilogie und Koja-Trilogie) breiten Raum einnehmen. Ein sehr beredtes literarisches Dokument dazu sind auch die Anfangskapitel des Dr. Robin-Sohn (mit dem bezeichnenden Untertitel Jungen und Alten erzählt), in dem wiederholt explizit auf Kolo Moser u. a. Zeitgenossen verwiesen wird:

[…] durch diesen erfuhren die mit ihm befreundeten Maler Kainradl [Leo, Anm. E.S.] und Moser [Kolo, Anm. E.S.], was von Kojas [d. i. Tluchor-Sonnleitner, E.S.] neuen Dichtungen für Zeitschriften brauchbar war, deren Mitarbeiter sie waren. Sie zeichneten ihm dazu den Bildschmuck und vermittelten die Annahme bei den Schriftleitungen. (Sonnleitner 1929, 267)

Kolo Moser, Leo Kainradl und Wilh. von Münchhausen kamen mit ihren Skizzenbüchern, Albert Schaff mit einer Mappe photographischer Wiedergaben seiner plastischen Arbeiten. Der Germanist Hans Paul brachte seinen jüngst erschienenen Band lyrischer Gedichte und der Lehrer Raimund Peter eine Sammlung von Volksliedern aus den Karpathen. (Ebd., 30 f.)

Kolo Moser ließ sich vernehmen: „Die Übereinstimmung von Werkzeug und Organ, wie sie am verblüffendsten am Auge bei der photographischen Kamera erkennbar ist, deutet unzweifelhaft auf etwas Gemeinsames hin, das in der organschaffenden Natur wie im werkzeugschaffenden Menschen tätig ist.“ „Richtig!“ pflichtete ihm Koja bei. „Im Sinne Kapps, der die ‚Philosophie der Technik‘ geschrieben hat, nennt Du Prel dieses in der Natur wie im Menschen zweckdienlich Schaffende ‚das organische Prinzip‘.“ (Ebd., 34) Kolo Moser war Professor des Illustrationsfaches am Kunstgewerbe-Museum gewor ← 56 | 57 den und hatte mit Hoffmann, Olbrich und dem Geldgeber Waerndorffer [!] die ‚Wiener Werkstätte’ gegründet, eine Kunstgewerbe-Anstalt, deren Er-/zeugnisse sich rasch den Weltmarkt eroberten. (Sonnleitner 1929, 40 f.)

Diese über 20 Jahre zurückblendenden Passagen aus dem Ende der 1920er-Jahre entstandenen Roman vermitteln den Eindruck, dass es Sonnleitner darum zu tun war, die Anfänge seines Literaten-Werdeganges nochmals in Erinnerung zu rufen. Dabei sind etwas verquere Ansätze zu einem Künstlerroman entstanden, der aber dann sehr rasch in eher abenteuerliche Bahnen gelenkt wird – Anlass für die Bemerkung, dass keineswegs das Gesamtwerk Sonnleitners Anspruch hat, mit Klassikerstatus gemessen zu werden. Interessant ist aber allemal die daraus ableitbare Selbsteinschätzung des Autors, der sich zumindest nostalgisch anhaltend mit der Kunstszene Wiens um 1900 verbunden fühlt und dies in wiederholtem Namedropping zum Ausdruck bringt, dessen nähere verifizierende Untersuchung etwas müßig aber aufschlussreich wäre.

Die von Heller ausführlich besprochene ab 1892 erschienene Zeitschrift Für die Jugend des Volkes (Heller 2008, Nr. 2) dürfte die erste, jedenfalls eine der wichtigsten Anlaufstellen für Sonnleitner (damals noch Tlučhoř) gewesen sein, darüber hinaus aber auch gleichsam als Kommunikationsmedium des „Siebener-Clubs“, „der Vorläufer-Vereinigung vor der Wiener Secession“ (ebd., 158), ein Begegnungsort für den damals 30-jährigen jugendbewegten Pädagogen Tlučhoř. Von da aus bzw. vom etwa identen personellen Forum der Beiträger des von Hans Fraungruber zusammengestellten Sammelbandes Thierfreundliche Jugend (1887) entwickelte er sich zum Jugendbuchautor. Als solcher trat er vermutlich erstmals mit einem eigenen Werk im Jahr 1907 unter seinem Namen, Alois Tlučhoř, mit der Erzählung Der Bäckerfranzl in Erscheinung.

Es ist für Tlučhoř(-Sonnleitner) bezeichnend, dass er bereits in seiner ersten selbständigen Veröffentlichung den Untertitel „Für Kinder und Eltern“ als mehrfachadressierendes Signal des Volkserziehers hinzufügt. Die Erzählung ist in elf kurze Kapitel gegliedert, die mit jeweils eigenen knappen Überschriften versehen sind; sie behandelt das Schicksal eines jungen Mannes aus einem Bäckerhaushalt, der zunächst sehr verwöhnt wird und dann als Folge dem Laster Alkohol verfällt, ein bei Sonnleitner fast permanent thematisiertes Problem, das er aus eigener familiärer Erfahrung kannte. Bereits zum „Bettler“ (Überschrift zu Kap. 9) geworden gelingt es ihm, zusammen mit einem anderen verarmten Handwerker, nach Wien zu kommen und sich dort doch noch eine Existenz aufzubauen.

Wenn man das Gesamtwerk Sonnleitners überblickt, kann man im Bäckerfranzl eine Ouvertüre zu seinen späteren Romanen lesen, die er als Modell eines Entwicklungsromans Schritt für Schritt ausgebaut hat. Noch interessanter ← 57 | 58 ist es aber, in diesem kleinen, relativ unbekannten Werk die unübersehbaren Nachklänge einer bis ins Biedermeier zurückgehenden Wiener Literaturtradition aufzuspüren. Im Geige spielenden Protagonisten ist ein gutes Stück von Grillparzers Der arme Spielmann enthalten, das Kapitel „Im Rausch“ erinnert an Nestroys Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt, ebenso die Heimkehr der beiden verkommenen Handwerker nach Wien, wo sie doch noch erhoffen, mit Hilfe der Schwester des Freundes ihr Glück zu machen. Das sechste Kapitel „Hund und Mensch“ verweist überdeutlich auf Marie von Ebner-Eschenbach und ihre Erzählung Krambambuli im Motiv der Treue des Hundes auch gegen den unredlichen Menschen. Auch Das Gemeindekind von Ebner-Eschenbach meint man bisweilen mitzulesen. Dieser Eindruck wird durch die in der Dissertation von Glattauer ermittelte Auflistung von Lektüreempfehlungen Sonnleitners bestätigt, die sie seinem Werk Die Grille (1908 bzw. 1911) entnommen hat: Demnach gehörten Ernst Frh. von Feuchtersleben (v. a. seine Diätetik der Seele), Gustav Freitag, Charles Dickens, Adalbert Stifter, Marie von Ebner-Eschenbach und Ludwig Anzengruber zu seinen bevorzugten AutorInnen. Eine weitere Bestätigung für die Vermutung besonderer Verbundenheit mit der österreichischen Literatur findet sich im Hinweis auf eine Ausgabe des Bäckerfranzl, die 1907 in Hamburg unter dem Titel Der Hund des Verschwenders oder: Bäckerfranzl. Eine Erzählung für die Jugend, für Eltern und für Lehrer erschienen ist – der intertextuelle Hinweis auf das Stück Der Verschwender (1834) von Ferdinand Raimund ist unübersehbar.

Tlučhoř(-Sonnleitner) steht also in diesen frühen Jahren sichtlich in einem anderen literarischen Horizont als der spätere, einer breiteren Leserschaft bekannte Autor Sonnleitner. Was in diesen frühen Werken auch noch völlig fehlt, ist die handwerklich-schaffende Objektbezogenheit, die in seinen späteren Trilogien so charakteristisch und vielfach auch bedrängend erscheint und Sonnleitners Oeuvre heute gleichzeitig so traditionell, ja unmodern erscheinen lässt. Ähnliche Akzente, also ebenfalls noch an traditionelle österreichische Narrative Erinnerndes, sind vermutlich auch in den beiden immer wieder genannten, aber bis heute noch nicht ausfindig gemachten Werken Der Universalerbe (1907) und Die Grille (1911) interpretatorisch einzubringen. Einer nochmals anderen Tradition ist Tlučhoř(-Sonn­leitner) in Des Freiherrn von Münchhausen Abenteuer und Reisen (1907) verbunden, bevor er dann mit der Drucklegung seiner Elternkonferenzen (1910) und vor allem mit seiner Abhandlung Das Märchen in der Seele des Kindes (1911 bzw. 1913) nochmals in eine grundlegend neue Phase trat. ← 58 | 59

2.2  Die 1910er-Jahre: Das Kind als homo faber

Im Vergleich der genannten Quellen in der Forschungsgenese zu Sonnleitner fällt auf, dass er gleichsam zwar immer wieder neu entdeckt wurde, dass dabei jedoch zeitlich vorangehende Darstellungen oder auch von Sonnleitner selbst getätigte Aussagen nicht immer Beachtung gefunden haben. So kam es wiederholt zu Teilinterpretationen, in denen oft wesentliche schon vorhandene Hinweise übersehen wurden.

Ungemein wichtig ist der Hinweis, dass Sonnleitner mit der ersten Niederschrift der Trilogie Die Höhlenkinder bereits 1913 begonnen hat (Glattauer 2013, 325 mit Bezug auf Tlučhoř 1924). Wichtig ist auch zu wissen, dass Sonnleitner sich in dieser Zeit mit der Gattung des Märchens befasste und dazu im gleichen Jahr seine Abhandlung Das Märchen in der Seele des Kindes erschien. Aus den Darstellungen Marbachs (1996, 75–82) geht hervor, dass Sonnleitner dem Märchen eine eminente Erziehungsfunktion zuschrieb. Wenn man seine Höhlenkinder-Trilogie unter diesem Aspekt liest, sind märchenhafte Züge jedenfalls im ersten Band unverkennbar. Man kann also davon ausgehen, dass im Konzept der Höhlenkinder noch eine Symbiose von Märchen, Robinsonade, Abenteuer und Sozialerziehung festgelegt war. Nicht zuletzt diese Multifunktionalität, die Sonnleitner in eine narrative Einheit zu bringen versuchte, und der Umstand, dass ihm dies, wie die Rezeption bekundet, geglückt ist, ist ein Grund für die weitreichende Wirkung des dann zur Trilogie weitergeführten Romans. Nicht zuletzt hat Sonnleitner sich damit sehr bewusst in die um 1900 unter dem Eindruck des Kunstmärchens stehenden literarischen Bestrebungen angeschlossen, der Gattung des Märchens eine neue Form zu geben.

Eine der bedauerlichen Lücken in der an sich verdienstvollen Arbeit von Marbach ist die fast gänzliche Ausblendung der Arbeiten von Karl und Charlotte Bühler sowie von Robert Reininger. Bei Reininger und Karl Bühler hat Sonnleitner 1924 seine Dissertation verfasst, und bei seinem eminenten Interesse an der Gattung des Märchens ist es geradezu unwahrscheinlich, dass er die Untersuchungen Charlotte Bühlers zum Märchen, die dann wegbereitend für die Lesealter-Debatte wurden, nicht wahrgenommen hat. Es ist umgekehrt wahrscheinlich, dass Charlotte Bühler in ihren Studien wiederum auf die Untersuchung Sonnleitners rekurrierte, und dass Sonnleitner damit als einer der Wegbereiter des berühmten Bühler’schen Dreischritts von der Struwwelpeterzeit über das Märchenalter zur ← 59 | 60 Robinsonzeit gelten kann, den sie in ihrer Untersuchung Das Märchen und die Phantasie des Kindes (1918) darlegte.8

Was bei Sonnleitner noch als originelle Einheit von Märchen- und Robinsonalter erscheint, wird von Bühler differenziert, eine Differenzierung, die Sonnleitner sicherlich wahrgenommen und in seinen künftigen Romanen berücksichtigt hat. So gesehen ist die Höhlenkinder-Trilogie im Konzept insgesamt noch als ein Werk der 1910er-Jahre zu sehen; es hängt zum einen eng zusammen mit Sonnleitners noch in der Vorkriegszeit erarbeiteten theoretischen Überlegungen zur Gattung des Märchens und kam zum andern mit dem ersten Teil (Im heimlichen Grund) – kriegsbedingt – erst 1919 an die Öffentlichkeit. Teil 2 (Im Pfahlbau) und Teil 3 (Im Steinhaus) entstanden erst Anfang der 1920er Jahre, d. h. zeitlich nach Charlotte Bühlers Konzept der Lesealtersstufen, mit der Sonnleitners Überlegungen zu dieser Gattung relativiert wurden, in deren Zusammenhang sie aber doch interpretiert werden sollten.

Dabei wäre von der Überlegung auszugehen, dass die fortgesetzte zumindest gedankliche Arbeit an den Höhlenkindern während des Krieges bzw. unmittelbar nach dem Krieg einen Emanzipationsprozess gegenüber der von Bühler entwickelten psychologischen Poetik der Kinderliteratur darstellt. So ließe sich auch die für den Autor so charakteristische permanente Betonung des handwerklich tätigen und damit kulturell schaffenden Menschen als Leitbild erklären. Sonnleitner hat sich mit dieser Vision eines frühen homo faber ein poetologisches Konzept erarbeitet, in dem er die von Bühler getrennten Alterslesestufen in einer eigenen Romanform zur Synthese bringt.

2.3  Die 1920er-Jahre: Entwurf einer Kritik der sinnlichen Vernunft

In den frühen 1920er-Jahren trug sich Sonnleitner, wohl auch bestärkt durch den Erfolg seiner 1919–1921 erschienenen Trilogie, mit der Absicht, eine philosophische Dissertation in Angriff zu nehmen. Seine Wahl der Professoren fiel dabei zum einen auf den der Philosophie Immanuel Kants verbundenen Robert Reininger (1869–1955). Dass er als zweiten Gutachter Karl Bühler (1879–1963) wählte, unterstützt die Vermutung eines bereits bestehenden Interesses an den Arbeiten der Bühlers, die von dem sozialdemokratischen Pädagogen und Schulreformer Viktor Fadrus (1884–1968) in das sozialdemokratische Wien geholt ← 60 | 61 worden waren, um hier eine neue Jugendpsychologie auf wissenschaftlicher Grundlage aufzubauen.9

Sonnleitners Hegerkinder-Trilogie (1920–1923) steht nicht nur zeitlich in engem Zusammenhang mit seiner bei Robert Reininger und Karl Bühler verfassten Dissertation, die 1924 unter dem Titel Potentielle Willensfreiheit und Suggestion des Objekts erschien. Sie ist gewissermaßen die literarische Gestaltung dessen, womit er sich in seiner Dissertation auseinander setzte, mit der Transzendentalphilosophie Immanuel Kants und einem ethisch begründeten Versuch, Bühlers psychophysische Position damit zu verbinden. Mit der Berufung auf Kant und dem Versuch, sich dem in Wien während des 19. Jahrhunderts verpönten Philosophen anzunähern, schlug Sonnleitner einen Weg ein, den vor ihm schon der Sozialphilosoph und Theoretiker des Austromarxismus, Max Adler (1873–1937), gegangen war, beginnend mit seinem Vortrag Immanuel Kant zum Gedächtnis. Gedenkrede zum 100. Todestag (1904). Die Parallele ist naheliegend: So wie Max Adler versuchte, eine Synthese zwischen der Transzendentalphilosophie Kants und dem Austromarxismus herzustellen, versuchte Sonnleitner Kants Denken mit der modernen Psychologie zu verbinden.

Wenn man den Handlungsfaden der Trilogie aufrollt, treten diese Hintergründe allerdings zunächst in den Hintergrund. Vorweg ist aber auch zu konstatieren, dass diese neue Trilogie der voran gehenden nur scheinbar ähnlich ist. Gemeinsam ist beiden die geradezu dominante Betonung des handwerklichen Könnens und Gestaltens. Mit den Hegerkindern begibt sich der Autor jedoch in einen geographisch und historisch festgelegten Handlungsraum, zunächst in die Lobau, dem Gebiet der Donau-Auen nordöstlich von Wien, und in eine Zeit, die Sonnleitner als Kind erlebt hat, wobei auch sehr direkte biographische Reminiszenzen zu seiner Zeit in Pöchlarn und Melk erkennbar werden. Es handelt sich eigentlich um einen Erziehungsroman, der Geographie, Geschichte und Naturgeschichte sowie auch Werkkunde verbindet, was fast selbstverständlich dazu führte, dass die Hegerkinder (in Bearbeitungen) auch als Klassenlesestoff Verbreitung fanden. Das erzieherische Moment ist aber keineswegs nur im sachkundlichen Bereich ← 61 | 62 gegeben, sondern darin, dass Sonnleitner entgegen dem deterministischen Denken des Naturalismus am Prinzip der Willensfreiheit festhält, die allerdings als Bedingung an das Postulat der Selbsterziehung gebunden ist. Selbsterziehung, und das scheint der zentrale Gedanke von Sonnleitners Ethik, sein pädagogisches Credo, zu sein, erfolgt aber in erster Linie in der sinnlichen Auseinandersetzung mit und im Lernen an der Natur, ihren Objekten und deren Suggestion.

Es sollte nicht vergessen werden, dass die Arbeit an den Hegerkindern vor dem Hintergrund der zeitgleich erarbeiteten Dissertation Sonnleitners mit ähnlichen Intentionen wie die des Austromarxisten Max Adlers erfolgte. Das soziale Milieu dieser Trilogie, auch manche soziale Kritik ließe darauf schließen, dass Sonnleitner weltanschaulich der Sozialdemokratie nahe stand. Nicht zu vergessen ist aber, dass Sonnleitner bei der Approbation seiner Dissertation bereits im 55. Lebensjahr stand, dass er zum Teil wesentlich jüngeren Proponenten der Sozialdemokratie gegenüber stand wie Adler und Fadrus bzw. auch seinem Dissertations-‚Vater’ Karl Bühler. Sonnleitner identifizierte sich eher anhaltend mit den Künstlerkreisen aus seiner Jugendzeit, wie auch in seinen nachfolgenden Koja-Romanen zu erkennen ist und als Volksbildner hatte er ein anderes großes Vorbild, seinen Landsmann aus früheren Jahrhunderten Johann Amos Comenius und dessen orbis sensualium pictus, den er auch in seiner Dissertation erwähnt. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass er politische Bekenntnisse eher vermieden hat, wenngleich ihm sicher nicht entgangen ist, dass das sozialdemokratische Wien, in dem er sich als Volksbildner stark engagierte, einer Idee des ‚Neuen Menschen’ anhing, die auch in der Kinderliteratur dieser Jahre dominant vertreten war.10 Sonnleitner verwendet den Begriff des ‚Neuen Menschen’ nicht, aber es ist zu vermuten, dass seine von Wolgast übernommene Idee des ‚Ganzen Menschen’ bzw. die von Karl Bühler verfolgte ganzheitspsychologische Psychologie für ihn eine ähnliche Bedeutung hatte. Man könnte Sonnleitner im Hinblick auf sein Vermeiden parteilicher Stellungnahmen politischen Agnostizismus bescheinigen bzw. seine kinder- und jugendliterarischen Werke als dessen Kompensation.

Was man Sonnleitner allerdings auch bescheinigen muss, ist ein Gespür für den Markt, das sich auch darin erweist, dass er dem zeitgemäßen Trend nach Serien folgt. Der Roman über die Hegerkinder war, wie der Erstausgabe zu entnehmen ist, ursprünglich vielleicht gar nicht als Trilogie geplant. Andrerseits wird am Schluss ← 62 | 63 des Romans, in dem sich das Geschwisterpaar bei allen schulischen und häuslich helfenden Aufgaben bewährt, auf eine Fortsetzung verwiesen. Darin bestätigt sich Sonnleitners Erzählstrategie; man könnte geradezu von einem Cliffhanger sprechen, denn die erwartete Ankunft der beiden Buben des verstorbenen Schwagers, der eindeutig dem ‚Geschäft’ eines Wilderers nachgeht, und die so gar nicht in das Bild des zwar ärmlichen, aber wohlbehüteten Hauses passen, stellt ein erhebliches Spannungsmoment dar. Mit dieser Erweiterung des Personals kindlicher Protagonisten steigt der Autor in der sozialen Hierarchie nochmals eine Stufe tiefer. Besonders befasst er sich mit der Frage der erblichen Belastung; der verstorbene Vater der nun ankommenden Neffen war dem Alkohol verfallen. Auch die Neffen werden nun Hegerkinder und allen vier Protagonisten gelingt es, junge Menschen zu werden, die soziale Verantwortung übernehmen können. Der Weg dahin ist gekennzeichnet von Willensanstrengung und einer Arbeitsethik, mit der Sonnleitner die in seiner Dissertation erarbeiteten Ideen zu vergegenwärtigen sucht. Glattauer ist der Ansicht, dass Sonnleitner mit diesem Roman dem Anatom Josef Hyrtl, dem Begründer des Waisenhauses in Mödling, ein Denkmal gesetzt habe (Glattauer 2013, 96).

2.4.  Die 1930er-Jahre: Reiche Ernte

Mit Beginn des neuen Jahrzehnts ist eine weitere Zäsur in Sonnleitners Werkgeschichte gegeben. Mit Approbation des Unterrichtsministeriums erscheint 1930 sein Bändchen Aus dem goldenen Buch der Helfer. Samariter in der Kleinschriftenreihe der „Jugendrotkreuzbücher“ als Band 9/10. Die Schriftenreihe ist bei Heller (2008, 123) beschrieben; die darin erschienenen Bände, u. a. von Schönherr, Bonsels, Ebner-Eschenbach, Lagerlöf und dem von Sonnleitner hochgeschätzten Leo Tolstoi, waren als Klassenlesestoff gedacht; nach der von Sonnleitner verfassten Nummer 9/10 ist keine Weiterführung nachgewiesen. Sonnleitner steht also in einer beachtlichen Reihe von Namen, allein daraus ist die besondere Wertschätzung abzulesen, die dem nunmehr 61-jährigen zukommt. In dem sehr bibliophil mit Goldprägung ausgestatteten Bändchen gibt Sonnleitner in einer stark bewegenden Rhetorik einen weit ausholenden Überblick über die Geschichte des Helfens in Kriegs-, aber auch in Friedenszeiten. Er breitet dabei eine große Zahl von Biographien aus, u. a. von Henry Dunant und Florence Nightingale, aber auch von zahlreichen weniger bekannten Persönlichkeiten sowie über die Barmherzigen Brüder und die Barmherzigen Schwestern oder die Genfer Konvention. In einem Anhang erläutert er seine Quellen und verbindet dies auch mit einer kurzen Selbstdarstellung.

Im Überblick über die Bibliographie der Werke Sonnleitners bei Aiga Klotz wird erkennbar, dass der nun im siebenten Lebensjahrzehnt stehende Autor keine ← 63 | 64 neuen Werke mehr in Angriff genommen hat, jedoch u. a. offenbar sehr damit beschäftigt war, die 1926 und 1928 begonnenen Ausschnitte aus seinen Trilogien neu zu fassen. Klotz nennt die folgenden Titel11:

Die Höhlenkinder in der Sintflut, aus Die Höhlenkinder im Pfahlbau <6889/14 > 1926, 1930, 1934, 1938

Die Höhlenkinder auf der Sonnleiten, aus Die Höhlenkinder im Steinhaus <6889/16> 1926, 1930, 1934, 1937

Die Höhlenkinder in der Steinzeit, aus Die Höhlenkinder im heimlichen Grund <6889/17> 1926, 1930, 1932, 1940

Koja im Bergwald, aus Kojas Wanderjahre <6889/18> 1928, 1929, 1932

Koja an der Donau, aus Haus der Sehnsucht <6889/19> 1928

Koja im Sturm, aus Kojas Haus der Sehnsucht <6889/20> 1928

Neben diesen Neuerscheinungen gab es noch zu Lebzeiten des Autors zahlreiche Neuauflagen seiner Werke sowie auch dieser Ausschnitte, mit denen er vermutlich noch intensiv gestaltend beschäftigt war. Wie diese hier genannten Ausschnitte wurden auch seine großen Romane noch zu Lebzeiten mehrmals neu aufgelegt. Sonnleitner war also in diesem Jahrzehnt bis zu seinem Tod im Juni 1939, das lässt sich mit einiger Gewissheit sagen, einer der meistverlegten österreichischen Autoren der Zwischenkriegszeit und ebenso gewiss lässt sich behaupten, dass er v. a. durch die als Klassenlesestoff bearbeiteten Werke nach 1945 weiten Leserschichten präsent war, wie sich heute in Gesprächen mit damaligen Schulkindern vielfach bestätigt.

3.    Resümee

Die vorliegende Darstellung über A. Th. Sonnleitner konzentriert sich vor allem auf die Geschichte seines Werkes, wobei noch nicht alle in der Bibliographie genannten Titel ausgelotet werden konnten. Einige sind nur schwer zugänglich und andere, vor allem Sonnleitners Hauptwerke, weisen eine große Komplexität auf, wobei nochmals zu betonen ist, dass mit den vorgebrachten Überlegungen nicht die Absicht verbunden ist, den Autor unbedingt zu kanonisieren. Es ist gewiss kein Zufall, dass der Klassikerstatus allenfalls nur einem seiner Werke, nämlich der Höhlenkinder-Trilogie zukommt. Vieles andere ist von einer sehr demonstrativen Pädagogik getönt, die heute kaum mehr akzeptabel erscheint und auch bei der Höhlenkinder-Trilogie ist hervorzuheben, dass sie, wie erwähnt, in bearbeiteten neueren Ausgaben vorliegt, die sich teilweise sehr wesentlich von der Urfassung unterscheiden. Dies gilt auch für einige der nach 1945 neu erschienenen und bearbeiteten Werke wie die Hegerkinder-Trilogie, die zweimal von Viktor Fadrus ← 64 | 65 neu herausgegeben wurde. Vieles Biographische zu Sonnleitner, das in früheren Darstellungen vorliegt, wie etwa sein Engagement in der Jugendschriften-Kommission und der Elternvereinigung wurde hier nicht noch einmal aufgegriffen; auch wurden mögliche intertextuelle Verweise auf nachfolgende Werke bis in die Gegenwart andeutend genannt bzw. synchrone Vergleiche mit der Situation der Kinder- und Jugendliteratur in Österreich in der Zwischenkriegszeit.12 Zu fragen wäre etwa auch, ob und wie Sonnleitners origineller Sachbuch-Akzent in den Sachbüchern von Ernst Gombrich oder Karl Hartl, die noch Mitte der 1930er-Jahre in Wien erschienen, aufgegriffen oder auch bewusst verändert wurde.

Das Hauptinteresse der Darstellung lag vorerst darin, verstärkt auch auf den frühen Autor Sonnleitner (noch Tlučhoř) hinzuweisen, dessen Verbundenheit mit der Wiener Kunstszene, seine frühen, ganz anderen Narrative und darauf, dass mit der viel zu wenig beachteten Märchen-Studie von 1913 eine sehr entscheidende und theoretisch begründete Wende in seinem Schaffen einsetzt, noch bevor Charlotte Bühler die Diskussion um Lesealtersstufen in Gang brachte. Eine ebenso entscheidende und noch viel grundlegender theoretisch erarbeitete Wende findet mit der Fertigstellung der Dissertation aus 1924 in der Auseinandersetzung mit Robert Reininger und Karl Bühler statt. Die davor entstandene Höhlenkinder- und die mit der Dissertation gleichzeitig entstehende Hegerkinder-Trilogie weisen völlig unterschiedliche narrative Konzeptionen und auch völlig unterschiedliche Kindheitsbilder auf, mit denen Sonnleitner den literarischen Kindheitsdiskurs seiner Zeit entscheidend erweitert, die aber für das heutige wissenschaftliche Verständnis des Mitlesens seiner theoretisch erarbeiteten Positionierung bedürfen. Eine anders begründbare Differenz besteht zwischen der Hegerkinder- und der Koja-Trilogie, insofern in der ersten die Kindheitsjahre, in der zweiten die Studienjahre des als Erzähler sehr sichtbaren Autors reflektiert werden. Eher offen bleibt bei all diesen Verortungsversuchen die Frage nach der weltanschaulichen Positionierung Sonnleitners, die aber in der Dichotomie des Lagerdenkens und des Kulturkampfes der Ersten Republik bzw. des Ständestaates vermutlich nicht eindeutig festzulegen ist. Vielmehr erschiene es verfehlt, einem solchen Ansinnen nachfolgend die eigentlichen Ideenträger zu relativieren, denen Sonnleitner gefolgt ist, Comenius, Kant, Tolstoj sowie weiteren kindheitsorientierten v. a. österreichischen AutorInnen, allen voran vermutlich Marie von Ebner-Eschenbach, mit der sich Sonnleitner aufgrund der gemeinsamen Herkunft verbunden fühlte. ← 65 | 66

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Die vorliegende Bibliographie möchte aus mehreren Quellen schöpfend in erster Linie eine Gesamtübersicht geben und dabei auch Neuauflagen berücksichtigen, um einen ersten überschaubaren Gesamteindruck von Sonnleitners Werkverbreitung zu geben. Deshalb sind alle bibliographischen Zusatzangaben wie Verlage, IllustratorInnen von Cover und Innenteil, BearbeiterInnen, Auflagenhöhen u. a. m., die die Übersicht komplizieren, weggelassen; sie sind v. a. bei Friedrich C. Heller und bei Aiga Klotz im Detail angegeben.

1892 [Tlučhoř] – in: Für die Jugend des Volkes [Heller Nr. 2].

1897 [Tlučhoř] – in: Thierfreundliche Jugend [Heller Nr. 8].

1907 [Tlučhoř] Der Bäckerfranzl [Heller Nr. 73; Klotz <6889/1> 1927].

1907 [Schlagbrandtner] Des Freiherrn von Münchhausen Abenteuer und Reisen [Heller Nr. 74; Klotz <6889/3>].

1907 Der Universalerbe [Müller].

1910 Elternkonferenzen und Elternabende [Marbach].

1910 [Tlučhoř]: Die Grille und ihre Schwester Lotti. Erzählung einer Lehrerin. Wien: Karl Graeser u. Kie. [Müller].

1913 Das Märchen in der Seele des Kindes [Marbach].

1918 Die Höhlenkinder im Heimlichen Grund [Klotz <6889/12> 1925, 1926, 1930, 1931, 1935, 1940, 1941, 1942, 1949, 1951, 1952, 1955, 1956; Marbach 1996, 216: bei dtv junior 1987–19937].

1920 Die Höhlenkinder im Pfahlbau [Klotz <6889/13> 1925, 1926, 1928, 1930, 1935, 1940, 1941, 1942, 1946, 1951, 1952, 1953, 1955, 1956; Marbach 1996, 216: bei dtv junior 1988–19935].

1920 Die Höhlenkinder im Steinhaus [Klotz <6998/15> 1921, 1925, 1926, 1928, 1930, 1935, 1940, 1941, 1942, 1946, 1949, 1950, 1952, 1956; Marbach 1996, 216: bei dtv junior 1988–19944].

1920 Von Schönheits Gnaden [Marbach].

1922 Das Haus der Sehnsucht [Klotz <6889/4> 1922, 1924].

1923 Die Hegerkinder von Aspern [Heller Nr. 653; Klotz <6889/6> 1963 bearb. u. a. von Viktor Fadrus].

1924 Potentielle Willensfreiheit und Suggestion des Objektes. Diss. Wien.

1924/1930 Aus meiner Werkstätte [Marbach].

1924 Die Hegerkinder in der Lobau [Heller Nr. 766; Klotz <6889/9>]. ← 66 | 67

1925 Kojas Haus der Sehnsucht [Klotz <6889/21> 1928, 1930, 1934, 1938].

1925 Kojas Waldläuferzeit [Klotz <6889/22> 1925, 1926, 1929, 1935, 1937].

1925 Kojas Wanderjahre [Klotz <6889/23> 1925, 1926, 1929, 1930, 1935].

1925 Rübezahl und der Klöppel-Hannes [Heller Nr. 935; Klotz <6889/25>].

1927 Die Hegerkinder im Gamsgebirge [Heller Nr. 1093; Klotz <6889/8>].

1927 Der Zwerg am Steuer [Klotz <6889/27> u. 1928, 1933].

1929 Dr. Robin Sohn [Klotz 1930, 1942].

1930 Aus dem goldenen Buch der Helfer. Samariter [Heller 1996, 23; Klotz <6889/2>].

1949 Die Höhlenkinder [Klotz <6889/11>].

1950 Vorgeschichte zum Haus der Sehnsucht [Klotz <6889/26> 1953].

1956 Die Hegerkinder [Klotz <6889/5> bearb. u. a. von Viktor Fadrus].

1959 Die Höhlenkinder [Klotz <6889/10> 1959, 1960, 1962, 1963].

Sekundärliteratur

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Buchbesprechung zu A. Th. Sonnleitner, Die Höhlenkinder. In: Unsere Heimat (Wien) 1937, Nr. 10 [nach Marbach]. ← 67 | 68

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Burger, Eduard: Buchbesprechung der Höhlenkinder-Trilogie. In: Die Quelle (Wien) 1931, H. 2 [nach Marbach].

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1     Dieser Eindruck bestätigt sich wiederholt in der Durchsicht einschlägiger Fachliteratur, wie noch zu zeigen sein wird.

2     Die einzige Erwähnung findet Sonnleitner in Bambergers Standartwerk bei den altersrubrizierten Buchempfehlungen im Abschnitt „Historische Erzählungen und Romane“ unter Nr. 432 (Bamberger 1955, 762) mit der Annotation: „Die Geschichte eines Knaben und eines Mädchens, die beide in einem einsamen Tal auf sich allein gestellt unter urzeitlichen Bedingungen leben müssen.“

3     Hurrelmann nimmt in ihrem Sammelband 27 Klassiker auf, darunter 14 fremdsprachige, 12 aus Deutschland einen aus der Schweiz und keinen aus Österreich.

4     Kümmerling-Meibauer nimmt in ihrem Lexikon 534 Werke auf, darunter zwei österreichische: Wir pfeifen auf den Gurkenkönig von Christine Nöstlinger und Bambi von Felix Salten. Der Name Sonnleitners findet sich zwar im Register, fungiert jedoch nur als Fußnote im Umfeld der Robinson-Thematik.

5     In der ihrem Lexikon nachfolgenden theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema Kanonbildung finden an österreichischen AutorInnen Erwähnung: Marie von Ebner-Eschenbach, Friedrich Feld, Peter Rosegger, Charles Sealsfield, Adalbert Stifter und Hermynia Zur Mühlen.

6     Im ersten Teil findet sich unter den 57 präsentierten Autoren ein einziger Österreicher, nämlich Jakob Glatz. Dies sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt bzw. im Zusammenhang mit der eingangs aufgeworfenen Klassiker-Frage mit Blick auf Österreich.

7     Zitiert nach der Ausgabe bei Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart, Franckh’sche Verlagshandlung, 5. Aufl., 1929.

8     Marbach nennt in der Literatur von Charlotte Bühler nur deren Psychologie im Leben unserer Zeit in einer Ausgabe aus 1962. Vermutlich ist ihm der Zusammenhang zwischen Sonnleitners und Bühlers Märchentheorien nicht gegenwärtig gewesen.

9     Vgl. Achs 2008, 207. Solche Zusammenhänge und v. a. ihre politischen Hintergründe werden in der auf Lexika und Datenbanken beruhenden Quellensuche oft übergangen. Das trifft leider auch auf die Dissertation von Marbach, ebenso auf die Arbeiten von Gettinger und Glattauer zu, aus denen ebenfalls nicht hervorgeht, dass Sonnleitners Hegerkinder 1956 und 1963 in von Viktor Fadrus bearbeiteten Ausgaben im Österreichischen Bundesverlag erschienen. Solche Zusammenhänge müssen politisch nicht überbewertet werden, aber es gilt auch der manchmal zu vernehmenden Vermutung entgegen zu treten, Sonnleitner sei als ‚rechts’ einzustufen.

10   Vgl. dazu die Dipl.-Arbeit von Gittinger in deren Zentrum die Untersuchung der kinder- und jugendliterarischen Werke von Anton Afritsch, Otto Felix Kanitz, Alois Jalkotzy, Anton Tesarek, Josef Pazelt und Friedrich Feld steht. Eine zentrale Quelle für das von diesen Autoren vertretene erzieherische Gedankengut ist dabei vor allem die Zeitschrift ‚Die sozialistische Erziehung’ (1921–1934).

11   Die mit <…> versehenen Zahlen bezeichnen die Nummern von Klotz’ Bibliographie.

12   Zahlreiche Hinweise dazu finden sich bei Marbach (1996) bzw. auch bei Seibert (1995), die allerdings aufgrund der hier vorliegenden Akzentuierungen neu zu überdenken wären.