Show Less
Restricted access

Studien zu Sprache und Stil in alt- und mittelhochdeutscher Literatur

Helge Eilers

Diese Studien behandeln anhand repräsentativer Texte der alt- und mittelhochdeutschen Literatur zentrale Themen im Bereich von Sprache und Stil. Dazu gehören Parataxe und Hypotaxe in althochdeutscher Prosa und im Nibelungenlied, Parenthese sowie Sprachstil in der frühmittelhochdeutschen Epik, vor allem im Rolandslied und in der Kaiserchronik. Außerdem zählen dazu Stilmittel (insbesondere Metaphorik) bei Walther und Hartmann – hier im Vergleich mit dem Rolandslied sowie mit dem spätmittelhochdeutschen Helmbrecht, dazu die Sprachreflexion Hartmanns in seinem Werk und, als Anhang, Sprachwandel der Gegenwart in diachroner Sicht. Die Studien verstehen sich als Beitrag zur deutschen Sprachgeschichte (dazu u.a.: komplexe Hypotaxe der höfischen Passagen im Nibelungenlied, Relevanz der Parenthese im Frühmittelhochdeutschen, zum Teil zyklischer Charakter beim Sprachwandel); sie sind aber auch Anregung für Kritik und weitere Untersuchungen zur Thematik.
Show Summary Details
Restricted access

Zorn als Agens in der Spruchlyrik Walthers von der Vogelweide

Extract



In einer seiner Tischreden verweist Martin Luther auf die große Bedeutung des Zorns für seine Person beim Beten, Predigen und Schreiben. So heißt es in der für Luthers Tischreden charakteristischen Form der deutsch-lateinischen Mischprosa:

„Nunquam mihi melius procedit orare, praedicare, scribere, quam cum irascor. Ira enim erfrischt mir mein gantz geblut, acuit ingenium, propellit tentationes.“ – in der Übersetzung: „Niemals geht mir das Beten, Predigen und Schreiben besser vonstatten, als wenn ich zornig bin, denn der Zorn […], schärft den Geist und vertreibt (die) Versuchungen.“45

Zürnen (irascor) und Zorn (ira) wirken demnach in besonderer Weise auf Luthers Gefühl und Stimmung, aber auch auf den Geist im Sinne gesteigerter und höchst intensiver Aktivität. Herbert Wolf vermerkt in diesem Zusammenhang (in Kap. 5.3.3 Engagement) dazu: „Am fruchtbarsten kommt seine impulsive Betroffenheit in der agonalen Auseinandersetzung zur Entfaltung. Beim Anprangern von Missständen, bei Pamphleten gegen Kontrahenten … setzt sich L. mit einer Vehemenz ein, die bisweilen den Eindruck erweckt, er betreibe den Wortkampf mit besonderem Vergnügen…“.46

Eine solche Äußerung bzw. Vorstellung lässt durchaus auch an Walther von der Vogelweide denken – trotz des zeitlichen Abstands. Mit seiner Rhetorik, insbesondere seiner Polemik und Aggressivität kann man Walther in der Tat mit Luther vergleichen. In diesem Zusammenhang ergibt sich dann auch die Frage nach der Thematik und Bedeutung des Zorns im Werk Walthers. In der Tat ist das Thema ‚Zorn‘ ganz wesentlich und in mehrfacher...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.