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Der Zweite Weltkrieg im polnischen und deutschen kulturellen Gedächtnis

Siebzig Jahre danach (1945–2015)

Series:

Jerzy Kałążny, Amelia Korzeniewska and Bartosz Korzeniewski

Die Autoren untersuchen den Wandel des Bildes des Zweiten Weltkrieges, der sich in der Erinnerungskultur in den letzten 25 Jahren in Polen und in Deutschland vollzogen hat. Ihre Perspektive öffnet den Blick auf das Zusammenspiel der Veränderungen, die sich aus dem Übergang vom kommunikativen zum kulturellen Gedächtnis ergeben, mit denen, die durch neue politische Situationen bzw. neue erinnerungskulturelle Tendenzen bedingt sind. Dieser facettenreiche und durchaus kontroverse Prozess wird an Beispielen aus der Literatur, der Filmkunst und dem Museumswesen veranschaulicht.
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Bartosz Korzeniewski - Das veränderte Bild des Zweiten Weltkriegs in polnischen Museen nach

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Bartosz Korzeniewski

Das veränderte Bild des Zweiten Weltkriegs in polnischen Museen nach 1989

Die in der Darstellung des Zweiten Weltkriegs in polnischen Museen nach 1989 vollzogenen Veränderungen sind als ein Element des tiefgreifenden Wandels zu begreifen, der seit der Systemtransformation im kollektiven Gedächtnis der Polen stattgefunden hat. Am besten sichtbar wird dieser Wandel in dem Bemühen, die sogenannten „weißen Flecken“ der Geschichte zu füllen, indem man dem öffentlichen Diskurs all die Ereignisse der Vergangenheit wieder zuführt, die bis dahin dem Vergessen anheimgegeben worden waren, aber auch indem man die Interpretation dieser Ereignisse von Falschdarstellungen befreit, die während des vorhergehenden Systems in großem Umfang verbreitet wurden.1 Dieses Bemühen stellt eine Antwort auf die politische Instrumentalisierung der Geschichte durch die kommunistischen Machthaber der Jahre 1944–1989 dar. In jener Zeit diente die Interpretation der geschichtlichen Ereignisse der Legitimierung der Machthaber auf ihrer Suche nach gesellschaftlicher Unterstützung. Die Beschreibung des Zweiten Weltkriegs spielte hier eine Schlüsselrolle. Das Bild des Krieges, das man der Öffentlichkeit aufzwang, war dem Interesse der Machthaber untergeordnet. Dieses Bild setzte sich zusammen aus: der propagierten Sichtweise, dass die Deutschen der einzige Feind waren, gegen den die Polen im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatten und der damit einhergehenden Herausstellung der Kriegserfahrung von Menschen aus Zentralpolen; dem Verschweigen der Leiden, die den Polen durch die Sowjets zugefügt wurden sowie dem Überhöhen der Taten der kommunistischen Untergrundkämpfer gegen die deutschen...

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