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Hegel in der Kritik zwischen Schelling und Marx

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Wolfdietrich Schmied-Kowarzik

Dieses Buch thematisiert, auf zentrale Fragestellungen Hegels bezogen, die beiden grundlegendsten Kritiken seines absoluten Idealismus. Hegels Dialektik ist der Versuch, den Geist als das Übergreifende über sich als Denken und sein Anderes, das Sein, zu begreifen. Doch kann der Geist in dieser Dialektik das Sein immer nur als Gegenstand des Denkens fassen, nicht aber als eigenständige Wirklichkeit, der es selbst mit angehört. Dies arbeitet Schelling in seiner Auseinandersetzung mit der Logik seines Jugendfreundes Hegel heraus und expliziert dies insbesondere am Problembereich der Naturphilosophie. Unabhängig davon kommt etwas später Marx zu einer ganz ähnlichen Kritik, die er vor allem an Problemstellungen der Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie darlegt.
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7. Die frühen Abweichungen Hegels von der Naturphilosophie Schellings

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Nur Schelling und Hegel haben eine Naturphilosophie entwickelt, der es um ein Begreifen der Natur als Wirklichkeit an sich geht. Alle anderen Ansätze, die unter der gleichen Bezeichnung firmieren, haben einen anderen Status, sie sind entweder Erkenntnistheorien der Naturerkenntnis oder gar nur Wissenschaftstheorien der Naturwissenschaften. Ausdrücklich heben Schelling und Hegel ihre Naturphilosophie als Teilstück der philosophischen Vernunftwissenschaft von der Naturtheorie des Verstandes- und Reflexionsdenkens ab, die wir heute Naturwissenschaft nennen. Wer also die Naturphilosophie von Schelling und Hegel – ganz gleich mit welcher Absicht – in unmittelbaren Bezug zu den Naturwissenschaften in unserem Verständnis rückt, um zu beweisen, wie gut oder schlecht sie entweder die Naturforschungen ihrer Zeit naturwissenschaftlich auszulegen oder gar naturwissenschaftliche Theorien unserer Zeit zu antizipieren vermochten, der missversteht völlig den Status der Schellingschen und Hegelschen Naturphilosophie.

Um hier nicht allzu weit ausholen zu müssen, möchte ich den Unterschied der Problemstellung der Naturphilosophie gegenüber der der Naturwissenschaft – wie dies Schelling und Hegel selber tun – an Kant verdeutlichen. Der Naturphilosophie geht es nicht um eine von den Verstandeskategorien der Kritik der reinen Vernunft her konstituierte naturwissenschaftliche Erkenntnis der Objekte in ihren Gesetzeszusammenhängen, sondern um das philosophische Begreifen des uns selbst mit umfassenden Gesamtzusammenhangs der Natur – eine Problematik, die Kant in der Kritik der (teleologischen) Urteilskraft aufgeworfen hat. Allerdings fasst Kant – wie Schelling in der Einleitung zur Idee einer Philosophie der Natur (1797) und Hegel in seiner philosophischen Erstlingsschrift Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems der Philosophie (1801) herausgearbeitet ← 99...

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