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Hegel in der Kritik zwischen Schelling und Marx

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Wolfdietrich Schmied-Kowarzik

Dieses Buch thematisiert, auf zentrale Fragestellungen Hegels bezogen, die beiden grundlegendsten Kritiken seines absoluten Idealismus. Hegels Dialektik ist der Versuch, den Geist als das Übergreifende über sich als Denken und sein Anderes, das Sein, zu begreifen. Doch kann der Geist in dieser Dialektik das Sein immer nur als Gegenstand des Denkens fassen, nicht aber als eigenständige Wirklichkeit, der es selbst mit angehört. Dies arbeitet Schelling in seiner Auseinandersetzung mit der Logik seines Jugendfreundes Hegel heraus und expliziert dies insbesondere am Problembereich der Naturphilosophie. Unabhängig davon kommt etwas später Marx zu einer ganz ähnlichen Kritik, die er vor allem an Problemstellungen der Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie darlegt.
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9. Verbindendes und Trennendes in der Naturphilosophie Schellings und Hegels

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Da man in 20 Minuten keinen textexegetisch und systematisch ausargumentierten Vortrag halten kann und auch die schriftliche Fassung nicht über das Referierte hinausgehen soll, lege ich hier aus einem komplexeren Forschungszusammenhang lediglich vier thetisch zusammengedrängte Bemerkungen zum Thema vor. Die erste Bemerkung umreißt das Verbindende, die beiden mittleren Ausführungen skizzieren das Trennende in der Naturphilosophie Schellings und Hegels und eine abschließende Bemerkung versucht, Perspektiven für unsere weitere naturphilosophische Arbeit anzudeuten.

1. Ohne Zweifel war es die von Schelling seit 1797 schrittweise entwickelte Naturphilosophie, die den Bannkreis des subjektiven Idealismus erstmals durchbrach. Aber auch Hegel brachte Gedanken- und Entwurfsarbeiten – aus dem politisch-gesellschaftlich-religiösen Bereich – mit, als er 1801 nach Jena kam, wo Schelling und Hegel nun gemeinsam mit der Ausarbeitung eines Systems des objektiven Idealismus beginnen.

In den ersten beiden Jahren ihres intensiven Zusammenarbeitens experimentieren sie mit dem gemeinsam konzipierten Systemgedanken in immer wieder neuen Anläufen und Entwürfen, wobei zunächst Schelling die Systematisierung der Naturphilosophie weitertreibt, während Hegel ein System der Sittlichkeit entwirft. Beide dringen aber in den folgenden Jahren schrittweise auch in das jeweilige Arbeitsgebiet des anderen vor, bis sie – nun bereits örtlich getrennt – in Vorlesungen und Entwürfen 1804-1806 ihre inzwischen voneinander abweichenden Systeme im Wesentlichen ausgestaltet vortragen: alle weiteren Modifikationen sind gleichsam nur systemlogisch notwendige Differenzierungen und Konkretisierungen.

← 135 | 136 → Das Schellingsche System, auch oft Identitätsphilosophie genannt, obwohl diese Bezeichnung viel eher und mehr auf Hegels System zutrifft, beginnt – nach einer allgemeinen...

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