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Hegel in der Kritik zwischen Schelling und Marx

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Wolfdietrich Schmied-Kowarzik

Dieses Buch thematisiert, auf zentrale Fragestellungen Hegels bezogen, die beiden grundlegendsten Kritiken seines absoluten Idealismus. Hegels Dialektik ist der Versuch, den Geist als das Übergreifende über sich als Denken und sein Anderes, das Sein, zu begreifen. Doch kann der Geist in dieser Dialektik das Sein immer nur als Gegenstand des Denkens fassen, nicht aber als eigenständige Wirklichkeit, der es selbst mit angehört. Dies arbeitet Schelling in seiner Auseinandersetzung mit der Logik seines Jugendfreundes Hegel heraus und expliziert dies insbesondere am Problembereich der Naturphilosophie. Unabhängig davon kommt etwas später Marx zu einer ganz ähnlichen Kritik, die er vor allem an Problemstellungen der Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie darlegt.
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10. Die Wirklichkeit der Natur. Zur Naturphilosophie Schellings und Hegels

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Als Schelling und Hegel 1801 am absoluten System der Philosophie, deren Teilstück die Naturphilosophie ist, zu arbeiten beginnen, glauben sie an ein und demselben Projekt zu arbeiten. Erst an ihren ausgearbeiteten Systemen – die Schelling in mehreren publizierten Entwürfen von 1801 bis 1806 vorlegt und die Hegel nach ebenso vielen, jedoch unveröffentlichten Anläufen 1817 als Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften herausgibt – wird sichtbar, dass sie ganz unterschiedliche Ziele und Strategien verfolgen. Aus den inzwischen wissenschaftlich sorgfältig edierten Jenaer-Manuskripten Hegels aus den Jahren 1801 bis 1806 können wir heute erkennen, dass diese Differenzen – ohne dass es beiden zunächst bewusst ist – von Anfang an bestehen.107 Bevor wir näher auf diese Differenzen eingehen, sei jedoch das fundamentalphilosophisch Gemeinsame unterstrichen.

Fichte hat Kants transzendentale Vernunftkritik zu einer Reflexions- oder Bewusstseinsphilosophie weiterentwickelt, die einerseits die empirischen Wissenschaften fundiert, und auf die er andererseits ein System der Sittenlehre, eine Freiheits-, Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie aufbaut. Was aber dieser Bewusstseinsphilosophie des Ich=Ich absolut fremd bleibt, ist die Natur, die als Nicht-Ich immer nur von den Wissenschaften her als Objekt der Erkenntnis und vom frei handelnden Bewusstsein her als Material der Sittlichkeit gefasst werden, niemals aber in ihrer materialen in-sich-vermittelten Wirklichkeit begriffen werden kann.

Schelling und Hegel dagegen geben sich mit einer erkenntniskritischen Fundierung der wissenschaftlichen Naturerkenntnis, für die die Natur nur als ein Erkenntnisobjekt erscheint, nicht zufrieden, sondern sie insistieren gemeinsam ← 146 | 147 → darauf, dass die Philosophie die materialen Gestalten der Natur als Wirklichkeit an...

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