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Hegel in der Kritik zwischen Schelling und Marx

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Wolfdietrich Schmied-Kowarzik

Dieses Buch thematisiert, auf zentrale Fragestellungen Hegels bezogen, die beiden grundlegendsten Kritiken seines absoluten Idealismus. Hegels Dialektik ist der Versuch, den Geist als das Übergreifende über sich als Denken und sein Anderes, das Sein, zu begreifen. Doch kann der Geist in dieser Dialektik das Sein immer nur als Gegenstand des Denkens fassen, nicht aber als eigenständige Wirklichkeit, der es selbst mit angehört. Dies arbeitet Schelling in seiner Auseinandersetzung mit der Logik seines Jugendfreundes Hegel heraus und expliziert dies insbesondere am Problembereich der Naturphilosophie. Unabhängig davon kommt etwas später Marx zu einer ganz ähnlichen Kritik, die er vor allem an Problemstellungen der Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie darlegt.
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19. Das spekulative Wissen oder die Ekstasis des Denkens. Eine Verteidigung der Philosophie als Potenz ihrer Überwindung

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Wenn wir von Philosophie sprechen, so meinen wir eigentlich immer die mit den Griechen anhebende abendländische Philosophie. In ihr reflektiert sich eine Sonderentwicklung der Menschheitsgeschichte, die inzwischen weltweite Ausdehnung erfährt, die mit den Stichworten: ‚Entstehung der wissenschaftlichen Rationalität‘ und ‚Bewusstwerdung der menschlichen Freiheit‘ umschrieben werden kann.

Dabei ist das Verhältnis nicht so, dass die Philosophen die Wissenschaften erfinden und die Freiheit zuerst postulieren, sondern sie reflektieren das, was sich vorher bereits an geistig-praktischen Entwicklungen und Veränderungen vollzieht; aber indem sie es reflektieren, ins Bewusstsein heben, kann das vorher nur bewusstlos Vollzogene überhaupt erst zur bewussten Bestimmtheit des Denkens und Handelns werden. Insofern ist die philosophische Reflexion ein unverzichtbares Moment unserer Lebenswelt, und in unserem wissenschaftlichen und demokratischen Selbstverständnis steckt ungeheuer viel mehr an philosophischer Bewusstwerdungsarbeit, als gemeinhin vermutet wird.

Mit dieser ersten Bemerkung möchte ich nicht andere Weisheitslehren und Denkschulen abtun, jedoch auf die Besonderheit der abendländischen Rationalität aufmerksam machen. Auch das indische und chinesische Denken – die beiden anderen bis in die Gegenwart fortwirkenden Traditionen – lösen sich aus mythologisch und theogonischen Denkzusammenhängen, aber doch nicht gänzlich und radikal. Das Denken bleibt hier – z.B. in China – ganz im vorgefundenen Welt- und Gesellschaftszusammenhang und versucht den Standort des Menschen in phänomenaler Deskription innerhalb der kosmischen und ← 291 | 292 → staatlichen Ordnung zu bestimmen. Selbst wo sich das Denken gegen diese Ordnung des irdischen Lebens auflehnt – wie in Indien –, stellt es doch keine Gegenmacht dar, sondern wird...

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