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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Bevormundung oder Selbstunterwerfung? Sprache, Literatur und Religion der galizischen Ruthenen als Ausdruck einer österreichischen Identität?

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Analysiert man die kulturelle Situation der ukrainischen Bevölkerung Galiziens – der Ruthenen im Sprachgebrauch der Habsburgermonarchie – zu Beginn des 19. Jahrhunderts, so drängt sich ein Vergleich mit einer Situation 200 Jahre vorher auf, mit einer kulturgeschichtlichen Periode, die Mychajlo Hruševs’kyj als die Erste ukrainische Wiedergeburt1 bezeichnete, während die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts generell als ukrainische Wiedergeburt apostrophiert werden. Gleich ist auch der Ort, an dem diese beiden Prozesse stattfanden – Leopolis, L’viv bzw. Lemberg. Beide Wiedergeburten können als wesentlich emanzipatorische Bewegungen aufgefasst werden, die auf eine zumindest kulturelle Befreiung aus einer Hegemonie, die im Rahmen eines Imperiums besteht, zielen (schon von daher scheint der Ansatz der Postkolonialen Studien eine gewisse Berechtigung zu haben). In beiden Fällen lässt sich diese emanzipatorische Bewegung hin zu einer eigenen, partikulären und periphären Kultur an den Parametern Sprache, Literatur und Religion ablesen, die in einer sowohl an der Wende vom 16. zum 17. wie auch an der vom 18. zum 19. Jahrhundert nicht säkularen Situation auf das engste miteinander verknüpft sind.

Um 1600 richtete sich die ukrainische emanzipatorische Bewegung gegen die Dominanz der polnisch-lateinisch-katholischen Kultur in demjenigen Staat, in dem um diese Zeit der größere Teil der ukrainischen Bevölkerung lebte – der polnisch-litauischen Adelsrepublik, in deren Namen Rzecz Pospolita (von lat. Res Publica) ein gemeinsames Interesse, eine Art Commonwealth nicht nur der beiden Titularnationen angesprochen ist. Seit den beiden Unionen, der staatlichen von Lublin 1569, die das Königreich Polen...

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