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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Galizische Topoi als Argumente in der ukrainischen Identitätsdebatte (zwischen Vereinnahmung und Aneignung)

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Im ukrainischen Identitätsdiskurs spielt Galizien eine besondere Rolle – zum einen als etwas, das mit der westeuropäischen Welt verbindet (nicht nur geographisch, sondern auch historisch lagen die Gebiete der Westukraine, die zum Kronland Galizien gehörten, näher bei Europa als der Rest der Ukraine), andererseits ist dieses historische Erbe aber auch trennend – innerhalb des Staates, dessen größerer Teil nicht über dieses Erbe verfügt. Die so oft betont Dichotomie zwischen West- und Ostukraine ist auch darauf zurückzuführen. Es ist also nicht verwunderlich, dass man um dieses Erbe nicht herumkommt, und es ist interessant zu beobachten, wie man damit umgeht. Im Folgenden soll also auf den Umgang mit dieser galizischen Vergangenheit, auf die Elemente, die man ihr entnimmt (und auch auf die, die man ihr nicht entnimmt), eingegangen werden, wobei sich die Untersuchung auf literarische und literatur- (kulturwissenschaftliche) Diskurse beschränkt.

Die kulturelle Identität einer Nation manifestiert sich zweifellos auch in ihrer Literatur, besonders im Kanon, der bestimmt, was zu einer Nationalliteratur gehört oder nicht. Dieser Kanon wird nun im Fall der ukrainischen Literatur nach der Unabhängigkeit neu definiert, nach innen und nach außen, indem zum einen verfemte Autoren im Land wiederentdeckt werden, zum anderen aber auch Texte für die ukrainische Literatur beansprucht werden, die früher als „nicht ukrainisch“ galten. Diese Abgrenzung nach außen führt bisweilen zu sonderbaren Ergebnissen, wie sich an einer im Jahr 1995 in Kiew erschienenen Anthologie zeigen lässt. Die...

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