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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Mehrsprachigkeit in der Literatur Galiziens

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In Galizien mit seinen vielen Umgangs- und Literatursprachen (deutsch, jiddisch, polnisch, ruthenisch bzw. ukrainisch – um nur die wichtigsten in alphabetischer Reihenfolge zu nennen) war das Schreiben in zwei oder mehreren Sprachen eine geläufige Praxis, die im folgenden anhand einiger Beispiele aufgezeigt werden soll. Gerade Galizien bietet für die Erforschung literarischer Mehrsprachigkeit reiches Material, das von der Komparatistik bislang kaum oder nur mit wenigen Ausnahmen zur Kenntnis genommen wurde. Neben Studien zu „Klassikern“ der Zwei- oder Mehrsprachigkeit wie Samuel Beckett, James Joyce, Ezra Pound und Vladimir Nabokov1 ist ein guter Teil der einschlägigen Untersuchungen Autoren aus verschiedensten romanischen Ländern gewidmet. Slawische Zweisprachigkeit ist nur im Hinblick auf deutsch-tschechische und deutsch-polnische Zweisprachigkeit in bescheidenem Maß beschrieben2, Studien zur innerslawischen Zwei- oder Mehrsprachigkeit (etwa der polnisch-ukrainischen in Galizien) sind nach wie vor ein Desiderat der Forschung3. Auch zur polnisch-jüdischen ← 81 | 82 → Zweisprachigkeit, einem für Galizien besonders typischen Phänomen, das aber in unserer Arbeit ausgeklammert bleibt, liegen nur wenige Arbeiten vor4.

Wenn man sich die aktuellen theoretischen Ansätze zur literarischen Vielsprachigkeit vergegenwärtigt5, so sind in etwa drei Richtungen der theoretischen Reflexion festzustellen. Man schließt aus der sprachlichen Vielfalt zurück auf eine umfassendere kulturelle Situation, die mit dem Schlagwort von der „Multikulturalität“ angesprochen, wenn auch nicht exakt beschrieben ist. Die relativ leicht voneinander abzugrenzenden Idiome suggerieren eine Vorstellung von relativ homogenen kulturellen Komponenten, die in ihrer Summe – fast wie in einem Kreisdiagramm – den multikulturellen Raum des alten Galiziens ergeben....

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