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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Konkurrierende und konvergierende Narrative zur Geschichte der Stadt Lemberg – Berichte über die Belagerung von 1648

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Die Geschichte der Stadt Lemberg in der frühen Neuzeit ist an dramatischen Szenen reich, von denen einige auch im „Text“ dieser Stadt, wenn man unter diesem Begriff die Fülle von Einzeltexten über diese Stadt zusammenfassen möchte, ein deutliches Echo gefunden haben. Dazu gehört vor allem die erste Belagerung der Stadt durch die Kosakenheere Bohdan Chmel’nyc’kyjs 1648 im Zug des bekannten Aufstands, eines „nationalen Befreiungskrieges“ in der ukrainischen historischen Terminologie, der aus polnischer Sicht eher als Rebellion gegen die polnische Herrschaft in der Ukraine und Abspaltung von der Rzecz Pospolita verstanden wird. Wir finden dazu Texte polnischer, jüdischer und ukrainischer Autoren, zunächst von Zeitgenossen aus dem frühen 17. Jahrhundert, dann aber mehr als 200 Jahre später in populärwissenschaftlichen Darstellungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Rahmen unserer Thematik stellt sich bei der Lektüre dieser Berichte die Frage nach deren ideologischer Ausrichtung, nach dem Zusammenhang von Ideologie und ethnischer Zugehörigkeit der Verfasser, aber auch nach der Sprache als dem Code, in dem eine je unterschiedlich akzentuierte Botschaft zur Sprache gebracht wird.

Der historische Sachverhalt ist einigermaßen leicht zu rekonstruieren: Anfang Oktober 1648 begann Chmel’nyc’kyj mit einer ziemlich großen Streitmacht von ca. 200.000 Mann die Belagerung Lembergs, das kurz vorher von den letzten Einheiten der polnischen Kronarmee verlassen worden war; die Stadt war schlecht befestigt und unzureichend verteidigt, man musste also mit den Kosaken verhandeln; gegen ein gewaltiges Lösegeld – die Angaben zu...

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