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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Lemberg als Antemurale christianitatis zur Zeit des Ersten Weltkriegs

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Die Vorstellung vom „Bollwerk der Christenheit“ („antemurale christianitatis“) ist seit dem Mittelalter verbreitet und wurde auf verschiedene Größen bezogen, auf Staaten, Territorien, aber auch Städte. Besonders häufig findet sich diese Idee in Verbindung mit einer Stadt, die in verschiedenen nationalen Traditionen verschiedene Namen hat: griechisch/lateinisch Leopolis, deutsch Lemberg (von Löwenburg), polnisch Lwów, ukrainisch L’viv, russisch L’vov und jiddisch Lemberik. Alle diese Bezeichnungen meinen den selben geographischen Ort, haben also denselben außersprachlichen Referenten, sie haben aber unterschiedliche Bedeutungen aufgrund unterschiedlicher Konnotationen, die im Lauf einer Jahrhunderte langen Entwicklung mit den einzelsprachlichen Bezeichnungen entstanden sind. Schon von daher ergeben sich auch Probleme bei der Übersetzung der nationalsprachlichen Namensformen; auch wenn von der Etymologie her pol. Lwów und ukr. L’viv adäquate Formen sind, so sind sie dennoch nicht ersetzbar: gerade mit diesen beiden Formen des Stadtnamens sind konkurrierende Vorstellungen von dieser Stadt verbunden, die einander zu einem guten Teil ausschließen. Aber auch das spätmittelalterliche „Löwenburg“ meint eine andere Existenzform dieser Stadt, als etwa das österreichische „Lemberg“ des 18. Jahrhunderts, wenngleich beide Formen dieselbe Etymologie und Wortbedeutung haben. Es ist also nicht verwunderlich, dass unter den zahlreichen Publikationen, die dieser Stadt gewidmet sind, mehrere auch die Problematik der verschiedenen Namen schon im Titel ansprechen1.

Die Stadt mit diesen vielen Namen ist aber nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, sie ist seit Jahrhunderten auch Objekt der literarischen Beschreibung und kreativen Fiktion. Fasst man alle die Texte zusammen, die auf diese Stadt...

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