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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Dobosz und Dovbuš – zwei Versionen der Dobosch-Legende bei Stanisław Vincenz und Hnat Chotkevyč

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Im ersten Band von Stanisław Vincenz’ Tetralogie Na wysokiej połoninie [Auf der hohen Bergweide] nimmt die Verarbeitung der Dobosch-Legende einen zentralen Platz ein; dabei greift Vincenz auf einen Stoff zurück, der die polnische und ukrainische Literatur über zwei Jahrhunderte verbindet, auf die Tradition von den Opryschken, die außerhalb der Gesellschaft in den Bergen als Räuber lebten, sowie deren legendärem Anführer Dobosch, die sich sowohl aus folkloristischen, aber auch aus historischen Quellen speist.

In ähnlicher Weise bringt ein Zeitgenosse, Hnat Chotkevyč (1877–1938), diese Tradition in die zeitgenössische ukrainische Literatur ein.1 Elf Jahre älter als Vincenz, kam Chotkevyč im Zug der stalinistischen Repressionen ums Leben, die genaueren Umstände seines Todes sind nicht geklärt. Zwei Jahre später floh Vincenz vor dem kommunistischen Regime in der von der Sowjetunion okkupierten Westukraine über Ungarn in den Westen. Im Unterschied zu Vincenz stammte Chotkevyč nicht aus dem Huzulenland, er kam erst 1906 als politischer Emigrant aus dem Zarenreich ins österreichische Galizien, um nach dem Ersten Weltkrieg in die sowjetische Ukraine zurückzukehren. Ungeachtet dessen hat er Zeit seines Lebens auf die Eindrücke aus jenen Jahren in den Ostkarpaten zurückgegriffen, um sie in seinen späteren Werken zu gestalten. In seinem bekanntesten Roman, Камінна душа [Seele aus Stein, 1911], greift Chotkevyč zum ersten Mal auf die Tradition der Opryschken zurück und erzählt in deutlich neoromantischer Manier die Liebesgeschichte seiner Protagonisten, der Pfarrersfrau Marusja und des Anführers einer R...

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