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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Jüdische Bilder und Stereotypen in Ivan Frankos „Boryslaver Zyklus“

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Mit dem „Boryslaver Zyklus“ wurde Ivan Franko als Schriftsteller berühmt, Boryslav als Inbegriff der gewaltigen sozialen Veränderungen, die mit den Erdölfunden ab 1850 diese Stadt betrafen, das war quasi „sein Thema“, mit dem er im literarischen Leben Galiziens von sich reden machte, bevor noch andere dieses Thema aufgriffen. Boryslav lag nahe beim Geburtsort des Autors, Nahujevyči, und noch näher bei Drohobyč, wo Franko das Gymnasium besuchte – er konnte also aus nächster Nähe und über Jahrzehnte lang das Geschehen in Boryslav beobachten, war vertraut mit dem harten Alltag der Arbeit in den Gruben wie auch mit der Psyche seiner bäuerlichen Helden. Trotzdem haben wir es hier nicht mit einer mimetischen Darstellung, sondern mit einer künstlerischen Konstruktion zu tun, worauf nicht nur manche Interpreten verweisen1, sondern auch der Autor selbst. Franko spricht später von „wunderlichen und schauerlichen Geschichten“2, die er schon im Elternhaus gehört hatte und die seine Einbildungskraft beschäftigten. Für den trotz des mimetischen Anspruchs3 fiktiven Charakter der Darstellung des Erdölbooms mit allen seinen Folgen sprechen auch die Stereotypen, die vom Autor zur Charakterisierung seiner Figuren eingesetzt werden.

Geht man von der Bedeutung des griechischen Begriffs „Stereotyp“ aus, so könnte man diesen mit „verfestigten Verallgemeinerungen“ umschreiben. Die ← 279 | 280 → „Festigkeit“ dieser Vorstellungen bedeutet, dass sie ein Eigenleben entwickelt haben und übernommen werden, ohne hinterfragt zu werden. Wichtig ist auch, dass Stereotypen keinen Autor haben – wenn Franko antijüdische Stereotypen übernimmt, so...

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