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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Galizien – ein Raum des Mythos. Zur erzählenden Prosa von Andrzej Stojowski

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In den Jahren 1960–1990 ließ sich in der polnischen Gegenwartsliteratur eine „galizische Strömung“1 beobachten, die auf das alte „Galizien und Lodomerien“, das größte Kronland der österreichisch-ungarischen Monarchie, zurückgriff, um diese verlorene Welt in der literarischen Fiktion wiederaufleben zu lassen. Autoren der verschiedensten Generationen, von denen nur die ältesten dieses Galizien noch aus ihrer Kindheit kannten, nahmen sich dieses Themas an und verfassten eine ganze Reihe von Prosatexten, die ein spezifisches Phänomen der polnischen Literatur darstellt2 – in keiner anderen Literatur der Nachfolgestaaten der alten Habsburgermonarchie gibt es eine vergleichbare Anzahl von Werken, die sich mit dem gemeinsamen Erbe in literarisch-kreativer Form auseinandersetzt.

Einer der wichtigsten Vertreter der „mittleren“ Generation galizischer Autoren in der zeitgenössischen polnischen Literatur ist Andrzej Stojowski (1933–2006), der nach einem bewegten Schicksal im sozialistischen Nachkriegspolen 1968 sein erstes Buch veröffentlichte, das eine „Rückkehr“ an den Ort der Kindheit, zu den Adelsgütern seiner Familie in Ostgalizien, beinhaltet. Im Kontext der damaligen polnischen Neuerscheinungen nahm dieses Buch eine Sonderstellung ein ‒ anstatt kritischer Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen und politischen Realität brachte es die Rekonstruktion einer scheinbar irrelevanten Vergangenheit, anstelle des sprachlichen Experiments eine traditionelle, behutsam stilisierende Literatursprache. In den siebziger Jahren, in denen der Großteil von Stojowskis Romanen erschien, war deren Thematik nicht mehr in diesem Maß exotisch ‒ bedeutete diese Zeit doch eine erste „Blüte“ der Galizienliteratur mit ähnlichen Texten anderer Autoren ‒ es gab aber immer noch Kritiker, die die Meinung vertraten, der...

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