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Orient im Okzident – Okzident im Orient

West-östliche Begegnungen in Sprache und Kultur, Literatur und Wissenschaft

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Ernest W.B. Hess-Lüttich and Yoshito Takahashi

Die programmatische Gegenüberstellung von Orient und Okzident spielt seit der «Entdeckung des Ostens» im 17. und 18. Jahrhundert in der Ideengeschichte Europas eine große Rolle. Der Band sucht Erscheinungsformen der «Repräsentation» von Orient und Okzident, wie sie sich in Sprache, Literatur, Medien, Technik und Umwelt äußern, aus mehreren Perspektiven xenologisch zu erschließen. Er vereint Ansätze zur philosophischen Grundlegung interkultureller Ost-West-Forschung sowie der kultur- und literarhistorischen Aufarbeitung wechselseitig fruchtbarer Inspiration, z. B. in der Weimarer Klassik, im Einfluss «östlichen» Denkens auf die Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, aber auch in der Garten- und Landschaftsarchitektur sowie der Wissenschaftskommunikation im Zeichen neuer ökologischer Herausforderungen.
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Goethes letzter, fernster, nächster Orient: Norbert Mecklenburg (Universität Köln)

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Norbert Mecklenburg (Universität Köln)

Goethe’s intercultural poetic projects are mostly focused on different oriental regions, the last project on the far east: China. Its results are adaptations of Chinese poetry and a separate collection of poems: Chinese-German seasons and times of day (1827). For Goethe, the farthest orient was, in a certain way, the closest since he was governed by the idea of affinity between Chinese and his own thinking about nature.

Goethes weitester interkultureller geistiger Sprung Richtung Osten ging nach China. Wenige Jahre vor seinem Tod machte er sich auf eine imaginative Reise zu einer Kultur, die der eigenen, westlichen, räumlich und zeitlich maximal fern und fremd war. Dabei handelte es sich zwar, alles in allem, um ein recht begrenztes Projekt, denn das Wissen über China, seine Kultur und Literatur war damals noch relativ gering. Goethes Ertrag dieser Erkundung umfasst nur sehr wenig Text, eigentlich nur einen Aufsatz, der seine Bearbeitungen chinesischer Gedichte enthält, und seinen eigenen, nur wenige Seiten langen, späten Gedichtzyklus Chinesisch-deutsche Jahres- und Tageszeiten. Aber dieser Titel zeigt hinreichend deutlich an: Goethe schrieb hier noch einmal mit dem klaren Bewusstsein, wieder, wie schon so oft in seinem Schriftstellerleben, ein interkulturelles Spiel zu spielen. Und was ihm vermutlich gleichfalls sehr bewusst war: nach den anderen Orienten, die er bisher erkundet hatte, war dieser fernste Orient für ihn selbst in einem ganz bestimmten Sinn sogar der nächste. Denn seine Zuwendungen zum islamischen und zum indischen Orient hatten...

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