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Orient im Okzident – Okzident im Orient

West-östliche Begegnungen in Sprache und Kultur, Literatur und Wissenschaft

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Ernest W.B. Hess-Lüttich and Yoshito Takahashi

Die programmatische Gegenüberstellung von Orient und Okzident spielt seit der «Entdeckung des Ostens» im 17. und 18. Jahrhundert in der Ideengeschichte Europas eine große Rolle. Der Band sucht Erscheinungsformen der «Repräsentation» von Orient und Okzident, wie sie sich in Sprache, Literatur, Medien, Technik und Umwelt äußern, aus mehreren Perspektiven xenologisch zu erschließen. Er vereint Ansätze zur philosophischen Grundlegung interkultureller Ost-West-Forschung sowie der kultur- und literarhistorischen Aufarbeitung wechselseitig fruchtbarer Inspiration, z. B. in der Weimarer Klassik, im Einfluss «östlichen» Denkens auf die Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, aber auch in der Garten- und Landschaftsarchitektur sowie der Wissenschaftskommunikation im Zeichen neuer ökologischer Herausforderungen.
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Vorwort

Vorwort

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„Dieses Baumes Blatt, der von Osten / Meinem Garten anvertraut“?– mit diesen Worten beginnt Goethes Gedicht „Gin[k]go Biloba“, in dem es weiter heißt: „Giebt geheimen Sinn zu kosten, / Wie‘s den Wissenden erbaut.“ Das Ginkgo-Blatt dient dem Dichter hier als Symbol dafür, dass Orient und Okzident sowohl Universalität als auch Diversität gleichzeitig in sich tragen können, was im Gedicht dann auf folgende Weise verdeutlicht wird: „Ist es Ein lebendig Wesen / Das sich in sich selbst getrennt / Sind es zwey, die sich erlesen, / Daß man sie als Eines kennt“.

Einem heutigen Leser, dem die vielfach problematisierte Asymmetrie des historisch konstruierten ‚Orientalismus‘ (Edward W. Said) und ‚Okzidentalismus‘ (Ian Buruma & Avishai Margalit) bekannt ist, mag die goethesche Vorstellung einer idealen Koexistenz zweier Kulturkreise, zumindest auf den ersten Blick, immer noch als wenig realistisch erscheinen.1 Die programmatische Gegenüberstellung von Orient und Okzident hat vor allem seit der ‚Entdeckung des Ostens‘ im 17. und 18. Jahrhundert in der Ideengeschichte Europas sowohl kulturhistorisch als auch politisch und im Hinblick auf die Religion(en) eine bedeutsame Rolle gespielt und dabei jeweils ein mehr oder weniger unausgewogenes Fremdbild evoziert, in dem das Wort ‚Okzident‘ fast immer als ein Synonym für ‚den Westen‘ (oder für die europäischen Länder) figuriert, während das Wort ‚Orient‘ zwar früher einmal durchaus ‚den Osten‘ bezeichnete, sich in seiner heutigen Bedeutung aber eigentlich nur auf den ‚Krisenbogen‘ der vorder- und mittelasiatischen L...

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