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Die Kunstauffassung in Rilkes kunstkritischen Schriften

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Maria Endreva

Die Untersuchung rekonstruiert Rilkes Kunstansichten in seinen Monographien, Aufsätzen, Tagebüchern und Briefen. Gegenstand der Analyse sind die frühen Tagebücher und die Kunstmonographien Worpswede und Auguste Rodin sowie Teile aus seinem Briefwerk, insbesondere Die Briefe über Cézanne und Die Briefe an einen jungen Dichter. Zu Beginn wird die Hypothese aufgestellt, dass Rilkes Kunstansichten eine Kontinuität aufweisen, deren Kern in den drei von der Kritik bestimmten Schaffensperioden im Großen und Ganzen unverändert bleibt. Die Untersuchung macht die konzeptuellen Ähnlichkeiten zwischen Rilkes Kunstansichten und dem Antiperspektivismus in der bildenden Kunst deutlich und behandelt die Hauptelemente der Rilkeschen Kunstansichten Einsamkeit, Ding, Armut und Arbeit.
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Kapitel II: Rilkes Kunstauffassung im Kontext moderner Kunsttheorien

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Zur Darstellung des zentralperspektivischen Denkens benutze ich die Studie Metaphysik und Perspektivismus. Die perspektivistische Verfasstheit der neuzeitlichen Philosophie und ihr seinsgeschichtlicher Zusammenhang mit der Zentralperspektive in der bildenden Kunst von Dominik Portune. Der Perspektivismus ist die führende Darstellungsmethode seit der Renaissance und ist ein Ausdruck von der veränderten Weltanschauung des neuzeitlichen Menschen.

Das Wort „Perspektive“ kommt vom lateinischen Begriff perspektiva und bedeutet so etwas wie „deutliche Sicht“ oder „Durchsehung“. Die italienischen Maler im 15. Jahrhundert und Albrecht Dürer in Deutschland begannen über die Perspektive zu schreiben und natürlich ihre Bilder dementsprechend zu malen. Die Perspektive ist eine Art Geometrie der optischen Projektion. Ziel der perspektivischen Darstellung ist es, einen dreidimensionalen Raum auf der zweidimensionalen Bildfläche abzubilden. Es geht also um die Dimension der Tiefe, die dem Blatt oder der Leinwand nicht gegeben ist. So ist jedes perspektivische Bild ein Tiefe vortäuschendes. Die zentralperspektivische Konstruktion geht von einem gesetzten Punkt aus, der das menschliche Auge repräsentiert. Die Zentralperspektive gibt dem Menschen die Möglichkeit zu zeigen, nicht nur was man sieht, sondern auch, wie das Auge es sieht. Es wurde die Möglichkeit eröffnet, die Gegenstände exakt proportional zu ihren wirklichen Größen abzubilden. Der Rezeption der Welt durch das Auge wurde somit eine vordergründige Rolle im Erkenntnisprozess beigemessen. (Vgl. Portune, 2004)

Somit ist der philosophische Schluss zu ziehen, dass die Sicht auf die Welt oder das Verständnis des Seienden nur von einem Subjekt ausgehen kann....

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