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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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1984 Machu Picchu, Titicaca und Copacabana

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Die Inka, Aymara und andere Völker Südamerikas locken. Die andinischen Kulturen üben seit Jahren eine ungeheure Faszination auf mich aus: geheimnisvoll, hoch oben in den Bergen, über denen der Kondor kreist. So sind die Vorstellungen hierzulande, und auch ich bin nicht frei davon. Wahr ist aber, dass diese Völker in ebenso heimtückischer Weise hingemetzelt wurden wie, eineinhalb Jahrzehnte früher, Azteken und Maya im heutigen Mexiko: 1519 Cortéz, 1532 Pizarro mit ihren Mörderbanden, die in der Neuen Welt Gold suchten und, im heutigen Mexiko, Silber fanden. Ihnen folgten die Mönche, die ihr Christentum mit Feuer und Schwert verbreiteten. Im Reiche der Inka fanden die Pizarro-Brüder endlich das ersehnte Gold, ließen den gefangenen König Atahualpa alles Glänzende herbeischaffen, beluden damit ihre Schiffe, schickten sie gen Spanien - und brachen ihr Versprechen: Der König wurde trotzdem ermordet.

Das alles hatte ich gelesen, bevor ich in Frankfurt die Iljuschin 62 der Aeroflot bestieg. Kenner nannten sie die „rote Fluggesellschaft“ - und dies keineswegs, weil sie aus Moskau kam, sondern weil sie, mit der Ausnahme Deutschlands, lediglich Revolutionsstädte ansteuerte: das Lissabon der Nelkenrevolution, das Havanna Fidel Castros und schließlich Lima, wo sich gerade eine linke Offiziersgruppe an die Macht geputscht hatte.

Die Landung ist dramatisch. Über der Stadt, obwohl nahe dem Äquator gelegen, breitet sich monatelang eine dichte Wolkendecke aus: Ergebnis des heißen Wüstenwindes aus dem Inneren des Landes, der hier auf den kalten...

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