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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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1985 China öffnet sich

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Eine Einladung liegt auf dem Tisch. Die Tongji-Universität Shanghai, Partner meiner Heimatuniversität in Bochum, bittet mich, Vorlesungen und Seminare zur deutschen Gegenwartssprache abzuhalten. Es gebe eine große Tradition der Verbindung mit Deutschland, die bis in die 20-er Jahre zurückreiche, als man in Shanghai bereits sogar Medizinkurse in deutscher Sprache durchgeführt habe.

Das Reich der Mitte! Meine Freude ist riesengroß. Deng Xiaoping versucht seit einigen Jahren, das Riesenland wirtschaftlich voranzubringen. Freilich seien die Schwierigkeiten immens, alles stehe auf der Kippe, lese ich in westlichen Zeitungen. Faszinierend der Gedanke, dies alles nun selbst vor Ort zu erleben! Obendrein wollte ich, vor Jahren in Leipzig, ursprünglich Sinologie studieren, bevor die politischen Spannungen zwischen Moskau und Beijing dem Studium des Chinesischen in der DDR den Garaus machten: alles zusammen gute Gründe, nach China aufzubrechen und dort zu arbeiten!

Über Tokio fliegen wir nach Shanghai und werden vom Leiter der Deutschen Abteilung, Professor Yang, empfangen. Hinein geht es in die Stadt; die Straßen sind in erbarmungswürdigem Zustand, der Bus rostet an allen Ecken. Wir rumpeln bis zum Tor des Ausländerghettos, genannt Gästehaus der Universität, und werden in eine Drei-Zimmer-Wohnung mit Bad eingewiesen: ein, wie wir binnen weniger Tage feststellen, unglaublicher Luxus! Das Klimagerät rasselt zwar gewaltig, setzt auch phasenweise aus. So gerät die Nachtruhe bei 28 Grad und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit zur Tortur. Aber dieses Problem wird, mit der Dauer der Tage, zur Nebensache.

Am...

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