Show Less
Restricted access

In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

Series:

Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
Show Summary Details
Restricted access

1987 Der Nil, die Götter und der Fortschrittswahn

← 32 | 33 → 1987

Extract

Die Nilmetropole birst vor Leben: hupende Autos, überladene Lastenkarren, Millionen von Menschen im Zentrum, Autoschlangen in Richtung der Pyramiden. Doch Ruhe findet der Besucher im Ägyptischen Museum, einen Steinwurf vom Tahrir-Platz entfernt gelegen. Die Fülle der, trotz jahrhundertelanger Grabräuberei und imperialen Besitzstrebens, faszinierenden Exponate aus der Glanzzeit Ramses II., der Königin Hatschepsut und des kleinen Königs Tutanchamun ist einzigartig und führt dem Besucher ein Bild ungeheurer Pracht vor Augen. Die klugen und vernünftigen Brecht-Verse vom lesenden Arbeiter haben es schwer dagegen zu bestehen: Wer baute das siebentorige Theben?/ In den Büchern stehen die Namen von Königen./ Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?/…So viele Berichte./So viele Fragen.

Die gleißende Sonne empfängt mich beim Verlassen des Museumspalastes. Freunde im Goethe-Institut gegenüber organisieren eine Fahrt hinaus nach Gizeh für den morgigen Tag. Zuvor empfehlen sie einen Besuch im großen Souk, warnen aber zugleich vor Dieben. Dort angekommen, bewundere ich jede Menge von Gold-und Silberschmuck, Galerien von Teppichen, eine Vielzahl von Gewürzen und Spezereien, die um die Gunst des Käufers oder der Käuferin buhlen. Gelärm und Gewühl prägen die Szene; ich lasse mich treiben und lande schließlich in einem Café, in dem man mir, unaufgefordert, eine Wasserpfeife zubereitet, deren Dampf und Düfte mich beinahe erschlagen. Der erbetene Tee mit Pfefferminzblättern in kleiner silberner Tasse weckt mich wieder auf und erinnert mich an den langen Weg zur...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.