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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2000 Inferno

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Lasciate ogne speranza, voi qu’ intrate(Dante: La Divina Commedia)

Der Reisende, der – nach einem Kongress an der Universität Dschang – aus dem kamerunischen Hochland nahe der nigerianischen Grenze hinab zum Litoral strebt, durcheilt anfangs fruchtbare Regionen: üppige Bananenplantagen zu beiden Seiten der Straße, dazu Mangobäume und Papayastauden. Das Auge vermag die paradiesische Fülle kaum aufzunehmen.

Das Bild wandelt sich abrupt und vollkommen, sobald die Ebene erreicht ist und die große Hafenstadt das Panorama prägt: Douala ist nicht nur Industrie- und Handelszentrum des Landes, Endpunkt der Ölleitung aus dem Tschad, nicht nur überbordende Hafenstadt und lärmumtoster Verkehrsknotenpunkt, sondern vor allem eine in Schmutz und Dreck erstickende Metropole. Es ist nachmittags gegen drei Uhr, doch die Sonne wird vom aufsteigenden Qualm verdeckt. Die Luft ist zum Schneiden dick und lässt den Atem in Röcheln übergehen. Man mag Luftverschmutzung auf welche Weise auch immer messen; hier ist sie greif- und fühlbar. Fahles Licht lässt die Menschen zu Schatten werden, der Schmutz auf der Straße und an deren Rändern stapelt sich zu Haufen, in denen absurderweise Kinder spielen. Eine Bruchbude, die sich forsch Restaurant nennt, hat Stühle und Tische nach draußen gestellt; die wenigen Gäste trinken ihr lokales Bier und sitzen bis an die Knöchel im Dreck.

Der Fahrer versucht, den immensen Schlaglöchern auf der Straße auszuweichen: Für jedes dritte, dem er entkommt, rutscht er in ein viertes,...

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