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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2002 Südamerika - Ein Kontinent im Wandel

← 138 | 139 → 2002

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Drei Jahre war ich nicht in Brasilien, fünf Jahre nicht in Argentinien und Chile. Brasilien glänzte damals in der Sonne des Januar, hatte sich rechtzeitig vom drohenden Finanzchaos der Dollarbindung befreit und versuchte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Argentinien hingegen war bei der Parität der nationalen Währung mit dem Dollar geblieben und hatte in der Zwischenzeit vor allem Horrormeldungen produziert, die freilich im fernen Europa nur beiläufig zur Kenntnis genommen wurden: rasanter Verfall des Peso, Absturz der Wirtschaft in das Nichts, Banken geschlossen, Konten gesperrt. Das Schlimmste jedoch, die Katastrophe der Menschen im Lande, blieb – wenn überhaupt erwähnt – dem Feuilleton überlassen. Der Mittelstand verschwand in materieller Not, immer mehr Menschen wurden in Verzweiflung und Armut gestürzt, ihre bescheidenen Ersparnisse lösten sich über Nacht in Luft auf. Die Gewinner dieser Katastrophe gigantischen Ausmaßes aber waren zugleich die Verursacher einer Entwicklung, die das einstmals reiche und solide Wohlstandsland Argentinien in ein Armenhaus verwandelt hatten: die internationale Finanzoligarchie mit Sitz in Washington, New York, Zürich, Luxemburg, Frankfurt und auf den Cayman-Inseln, die ihrer Terrorideologie der so genannten Liberalisierung der Märkte im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft hemmungslos folgten, im engen Benehmen mit den wirtschaftlich Mächtigen und Verbrecherkartellen um den ehemaligen Präsidenten Menem in Buenos Aires und vergleichbaren Mafiosi in São Paulo, die mit Währungsspekulationen, Steuerbetrug, Devisenschiebungen in so genannte Finanzparadiese und einem ungeheuren Ausmaß an Korruption einstmals wohlhabende Länder wie Argentinien und Brasilien ins Chaos stürzten.

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