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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2004 Die Ägäis oder: Vom Glück des Reisens

← 196 | 197 →2004

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Der Augenblick ist zeitlos.(Leonardo da Vinci)

Du musst reisen, sagt Ossip Mandel‘stam auf seiner Armenienfahrt. Alexander von Humboldt, 1804 zurückgekehrt von der fünf Jahre währenden Reise durch beide Amerika, verachtet Hegel, der die Welt vom Schreibtisch aus zu erklären versucht, ohne Länder und Kontinente gesehen zu haben. Wie könne man, so Humboldt, über Ethik und Kultur reden, ohne die Welt und ihre Vielfalt zu kennen? Der ewig Rastlose und Neugierige hingegen, der polyglotte Prediger der Toleranz, gewinnt seine Überzeugungen im Anschauen der Natur, im Gespräch mit den Ureinwohnern Mexikos, des Orinoco-Gebietes und am Chimboraço, mit Russen und Sibiriern, vor allem aber auf – verglichen mit der Jetztzeit – wahrhaft horrenden Expeditionen. Sein Blick gilt stets dem Ganzen, das gleichwohl das Detail in sich aufnimmt. Ein Reduktionismus, wie er, der amerikanischen Messlatte sklavisch nachfolgend, die heutige Wissenschaft prägt, ist seine Sache nicht. Im Grunddissens, ob man sein Wissen benutzen solle, um sein Geld zu mehren, oder sein Geld benutze, um sein Wissen zu mehren, entscheidet sich Humboldt, spätestens nach dem Tod der Mutter und fortan über ein beträchtliches Erbe verfügend, für die zweite Variante. Ich kann ihm nur beipflichten.

Unsere Reise führt, diesmal, weniger weit. In Mexiko, Peru, Kuba, den USA und Russland waren wir immer erneut auf des Weltbürgers Spuren gestoßen, hatten darüber hinaus seine Funde im Berliner Museum bewundert. Jetzt aber entführt uns das Flugzeug nach Chania...

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