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Ortsumbenennungen im sowjetischen Russland

Mit einem Schwerpunkt auf dem Kaliningrader Gebiet

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Sven Freitag

Gegenstand der Arbeit ist die Untersuchung von Ortsumbenennungen auf dem Territorium der russischen Teilrepublik der Sowjetunion (RSFSR). Welche Entscheidungswege gab es? Nach welchen Kriterien wurden die Namen gewählt? Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Kaliningrader Gebiet, wo über die Siedlungsnamen hinaus auch fast alle Flur- und Gewässernamen ausgetauscht worden sind. Auch die Umbenennungen auf der Krim, auf Sachalin und in Karelien werden auf ihre Motivationen hin analysiert. Zugleich wird das Thema in den Kontext der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts eingebunden; Umbenennungen sind eines der Mittel zur Schaffung von Gedächtnisorten für neue politische und gesellschaftliche Verhältnisse.
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b) Die Entstehung der Orts- und Flurnamenlandschaft nach 1945

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Die Entstehung der gegenwärtigen Namenlandschaft des Kaliningrader Gebietes ist direkt mit dem Aufbau der sowjetischen Verwaltung nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges verbunden. Nach der Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee stand das Gebiet zunächst unter Militärverwaltung, erst im Jahr 1946 begann man mit dem Aufbau der zivilen Verwaltung.347 Im Zuge dieses Verwaltungsaufbaues wurden auch die Umbenennungen von Anoikonymen und Oikonymen vorgenommen. Trotz einiger am 21. Juli 1947 verabschiedeter Resolutionen, die in der Folge „Stalinscher Plan zur Wiederherstellung und Entwicklung der Kaliningrader Oblast’“348 genannt wurden, gab es keinen langfristig ausgearbeiteten Plan für den Aufbau und Wiederaufbau der Oblast’. Kostjašov fasst die Ergebnisse der ehemals hoffnungsvollen Suche nach diesem Plan folgendermaßen zusammen:

„Die Untersuchung […] ehemaliger geheimer Fonds der örtlichen und zentralen Archive [durch den] Autor und [durch] viele andere Wissenschaftler, so scheint es, beerdigte endgültig die Hoffnung irgendein «Programm» oder irgendeinen «Plan» zu entdecken, ← 84 | 85 → der das Vorha ben der sowjetischen Führer in Bezug auf die Perspektiven der Entwicklung der Kaliningrader Oblastʼ erhellen würde.“ 349

• Die Umbenennung Königsbergs in Kaliningrad und die Umbenennung der größeren Städte

Am 17. Oktober 1945 wurde der nördliche Teil Ostpreußens von der UdSSR annektiert.350 Über eine mögliche Inkorporation des Gebietes in die Litauische SSR wurde nach den Angaben Frobarths in dem Zeitraum von November 1944 bis Januar 1945 nachgedacht.351Am 9. Juli 1945 wurde der Sondermilitärbezirk Königsberg gebildet. Dieser wurde...

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