Show Less
Restricted access

Häusliche und institutionelle Pflege älterer Menschen als kriminologisches Problem

Series:

Tina Drescher

Die Autorin geht in ihrem Buch davon aus, dass die Probleme in der Altenpflege nicht als feststehende Wirklichkeit zu begreifen sind, sondern ihrerseits gesellschaftlich hergestellt werden. Aus diesem Blickwinkel erscheint die Pflegegewalt als ein Problem, das wegen seines kriminologischen Bezugs gerade auch durch kriminologische Theorie aufgebaut wird. Tina Drescher analysiert die Problemgeschichte im Lichte des viktimologischen, des situationsbezogenen und des auf Kriminalitätskontrolle abstellenden Diskurses, präventive Aspekte inbegriffen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Gestalt des Problems der Pflegegewalt in vielerlei Hinsicht als Auswirkung der neueren theoretischen Ausrichtung in der kriminologischen Wissenschaft begreifen lässt.
Show Summary Details
Restricted access

A. Einführung

Extract

A. Einführung

Auch wenn „das Alter“ als eine neue Lebensphase positive Aspekte und Chancen im Sinne von mannigfaltigen Aktivitäten und Engagements in gesellschaftlicher, beruflicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht eröffnen kann, sind seine Risikofaktoren und negativen Aspekte nicht zu übersehen. Eine steigende Verletzlichkeit im höheren Lebensalter führt zu einer zunehmenden Hilfs- und gegebenenfalls Pflegebedürftigkeit und damit zu einer verstärkten Abhängigkeit von anderen Menschen. Begonnen mit ganz alltäglichen Dingen wie technischen Neuerungen (z.B. Handy, Internet) über das Risiko der sozialen Vereinsamung besteht die Gefahr, Opfer durch Diskriminierung oder Gewalt zu werden.1

Ältere Menschen, d.h. Senioren (ab 60 Jahren) und Hochbetagte (ab 80 Jahren), können nicht nur im öffentlichen Raum Opfer von Gewalt durch ihnen unbekannte Personen werden, sondern sie können vielmehr auch im sozialen Nahraum2 durch Familienangehörige oder andere nahe stehende Personen viktimisiert werden. Einem Gefährdungsrisiko im privaten Lebensumfeld sind insbesondere die pflegebedürftigen älteren Menschen ausgesetzt, die zudem infolge ihrer Einschränkungen kaum beschwerdemächtig sind.

Die Erscheinungsformen von Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen sind vielfältig. Sie reichen von psychischem Druck wie Missachtung und Bevormundung über „gefährliche Pflege“ und vermeintlich „fürsorglichen Zwang“ wie Fixierung bis hin zu körperlicher Misshandlung und Tötung.3 In Anbetracht der zu erwartenden demographischen Entwicklung, nämlich eines steigenden Anteils von älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung, sowie in Anbetracht schwindender finanzieller und pflegerischer Ressourcen bei einer stärkeren Nachfrage nach (Dienst-)Leistungen f...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.