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Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation an den Kölner Hochschulen

Ein Beitrag zur «Dezentralisierung» der deutschen Kolonialwissenschaften

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Anne-Kathrin Horstmann

Köln und seine Hochschulen blicken auf eine lange, bisher vernachlässigte koloniale Vergangenheit zurück. Sowohl in der Zeit des realen Kolonialbesitzes als auch im Zuge des Kolonialrevisionismus der Weimarer Republik und der NS-Zeit spielten «koloniale Themen» eine kontinuierliche Rolle in Wissenschaft und Öffentlichkeit, obwohl Köln nicht auf den ersten Blick als Kolonialmetropole erscheint und es in der Stadt nie ein «Kolonialinstitut» gab. Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation waren dennoch eng miteinander verknüpft. Die Studie spürt dieser vielschichtigen Verbindung nach und liefert durch ihren lokalhistorischen und postkolonialen Ansatz nicht nur neue Erkenntnisse für die Universitäts- und Stadtgeschichte, sondern auch für eine kritische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte.
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2. (Post)Kolonialismus, Wissen, Macht und Diskurse: Forschungsprogramm und eigene Verortung

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Wie bereits im vorangegangenen Forschungsüberblick gezeigt wurde, ist vor allem durch den Einfluss der Postkolonialen Theorien der Zusammenhang von Kolonialismus, Wissen und Macht in den letzten Jahren ausführlicher untersucht worden. Auch die vorliegende Arbeit verortet sich theoretisch (und praktisch) in diesem Feld, um die teils ambivalenten Effekte kolonialer Herrschaftsstrukturen auf Wissensfelder, Denkmuster, Begrifflichkeiten41 und Annahmen über die ‚Anderen‘ (und damit einhergehend auch über das ‚Eigene‘) am Beispiel der Kölner Kolonialwissenschaften und ihren ‚Protagonisten‘ sichtbar zu machen und zu dekonstruieren.

Kolonialismus wird innerhalb der Arbeit dabei nicht nur als materieller und ökonomischer Prozess verstanden und betrachtet, sondern der Blick vor allem auch auf sein ‚ideologisches Gerüst‘ und damit auf den Diskurs gelenkt, der das koloniale Eingreifen und die ‚koloniale Idee‘ überhaupt erst denkbar und damit möglich machte. Zur Bearbeitung des Untersuchungsgegenstandes wurde daher ← 31 | 32 → auf die häufig als wichtigste Methode der Postkolonialen Theorien bezeichnete Diskursanalyse zurückgegriffen, da sich mit dieser besonders gut herausarbeiten lässt, wie wichtig ‚koloniales Wissen‘ für die Konstituierung dieses Diskurses war und wie es letztendlich selbst diskursiv hervorgebracht und konstruiert wurde.

Da es sich um eine historische Arbeit handelt und sehr viele Originalquellen für die Analyse herangezogen wurden, wurde darüber hinaus auch die in den Geschichtswissenschaften verankerte Methode der Quellenkritik42 angewandt. Auch wurden Anregungen aus der neueren, kulturhistorisch erweiterten Institutionengeschichte43 herangezogen, da es sich bei der vorliegenden Arbeit genau genommen um eine Teilgeschichte einer solchen handelt und gleichzeitig im Foucault’schen...

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