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Der Gruppenbezug jugendlicher Delinquenz

Zur Notwendigkeit der Berücksichtigung gruppenbezogener Straftaten bei der Anwendung und Auslegung von Jugendstrafrecht

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Julia Lehmann-Björnekärr

Inwieweit ist das strafrechtliche Handeln junger Menschen aus einer Gruppe heraus strafschärfend oder strafmildernd zu berücksichtigen? Die Autorin setzt sich mit dem status quo in Rechtsprechung und Literatur hinsichtlich der Berücksichtigung des Gruppenbezuges auseinander. Letzteres ist im Rückgriff bzw. unter Berücksichtigung von Forschungsbefunden aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zu der Bedeutung von Peergroup-Sozialisation, in Verbindung mit Aspekten aus Kriminalitätstheorien, sowie dem Erziehungsgedanken und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Jugendstrafrecht als Täterstrafrecht erfolgt. Schließlich wurde die Frage nach der Notwendigkeit einer jugendspezifischen Auslegung materieller und prozessualer Regelungen unter dem Aspekt des Gruppenbezuges aufgegriffen. Im Rahmen der Untersuchung entstand unter anderem ein Mehrfaktorenmodell für die Erklärung gruppendelinquenten Verhaltens.
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B. Hauptteil

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In der Literatur wird die Familie als „primäre Sozialisationsinstanz“95 bzw. als normatives System „als Basisstation mit Kontrollfunktion“96 des jungen Individuums bezeichnet. Ein ähnlicher Stellenwert wird in der Literatur der schulischen Sozialisation beigemessen.97

In diesem Abschnitt gilt es zu verdeutlichen, dass neben den beiden Sozialisationsinstanzen Familie und Schule jedoch noch eine weitere, nämlich die Peers, zunehmend Einfluss auf das Verhalten und die Einstellung Jugendlicher nimmt.

In einem ersten Schritt soll der Bedeutungszuwachs der Peergroup durch die geschichtliche Entwicklung des jugendlichen Gruppenbildungsphänomens veranschaulicht werden. In dem Zusammenhang werden am Anschluss daran Befragungsergebnisse zur Cliquenbildung Jugendlicher der Shell Jugendstudien der letzten Jahre präsentiert. In diesem Abschnitt soll gleichzeitig folgender These nachgegangen werden: je älter die Jugendlichen werden, desto selbstständiger werden sie; individuelle Beziehungen rücken mit der Zeit in den Vordergrund und überschatten die Gruppenkontakte.

Abschließend wird ein Blick auf die Frage geworfen, inwiefern der Anstieg der Schulverweildauer bzw. Berufsvorbereitung Einfluss auf die Bildung jugendlicher Gruppen nimmt.

Im Rahmen der Auseinandersetzung mit der Entwicklung des jugendlichen Gruppenbildungsphänomens stößt man in der Literatur fortlaufend auf mehrere Begrifflichkeiten: zum einen dem der Jugend(sub-)kultur, zum anderen dem der ← 21 | 22 → Jugendbewegung und schließlich dem der Jugendszenen. Diese Begriffe werden in der Literatur uneinheitlich, überwiegend jedoch als Synonym verwendet, wie eben auch hier.

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