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Sprachwissenschaft für den Alltag. Ein Kompendium

Unter Mitarbeit von Alexander Gräbner. 3., aktualisierte und erweiterte Ausgabe

Hartmut Heuermann

Wir lieben unsere Sprache. Aber kennen wir diese scheinbar so selbstverständliche Sache, mit der wir täglich umgehen? Wissen wir, welch vielschichtiges Gebilde sie in Wirklichkeit darstellt? Ahnen wir die Mannigfaltigkeit und die Feinheiten, die sie offenbart, sobald man die Oberfläche verlässt und den Phänomenen auf den Grund geht? Was zum Beispiel ist ein Symbol, und wie unterscheidet es sich von einer Metapher? Was versteht man unter Ethnolekt, und was ist seine Beziehung zum Idiolekt und Dialekt? Was hat es mit Pidgin auf sich? Sprachwissenschaft für den Alltag ist ein Kompendium, das sprachwissenschaftliches Wissen für den Hausgebrauch vermittelt. In dieser dritten, aktualisierten und erweiterten Ausgabe, die gegenüber der zweiten Auflage nochmal erweitert und ergänzt ist, werden über 230 Schlüsselbegriffe erläutert, die das Medium dem Nutzer näherbringen und der Welt der Sprache Profil verleihen. Eine praktische Handreichung für alle, die mit Sprache umgehen und ihre Kenntnisse verbessern möchten. Eine nützliche Lektüre zu einer Zeit, in der es um die deutsche Sprache offenkundig nicht zum Besten steht.
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enbildung (Tempus)

Von lat. textus = Gewebe. Im Grunde ist jede kommunizierbare Äußerung jenseits der Satzgrenze, ob gesprochen oder geschrieben, ein Text. Allerdings wird der Begriff in alltagssprachlicher Verwendung meist auf größere schriftliche Einheiten wie Artikel, Briefe, Notizen, Abhandlungen, Verträge, Bekanntmachungen, Essays, literarische oder poetische Werke usw. bezogen, die in dieser oder jener Weise konventionalisiert sind und als → Textsorten unterschieden werden. Kommunizierbar heißt, dass Texte bestimmten Anforderungen bezüglich der Länge, der Kohärenz, der strukturellen Beschaffenheit und der allgemeinen Verständlichkeit unterliegen. Allerdings ist die Verständlichkeit nicht immer befriedigend durch den Text allein gegeben, sondern bedarf der Heranziehung und Einbeziehung eines Kontexts. Als Kontext gilt das „Umfeld“ eines Textes, das ihn – indirekt – semantisch überschreitet und ausweitet. Es kann von anderen Texten gebildet, aber auch von Traditionen, Konventionen, historischen Hintergründen, biographischen Daten u. dgl. geschaffen werden. ← 149 | 150 → Kontexte können in weltanschaulicher (sozialer, politischer, historischer, kultureller) Hinsicht auf Texte einwirken, sie perspektivisch erweitern, erhellen, dramatisieren, ironisieren oder auch in ihrer Geltung in Frage stellen. Es gibt praktisch keinen (aktuellen) Text ohne (potenziellen) Kontext. Zwischen beiden besteht ein wechselnder dynamischer Zusammenhang, der je nach Interesse und Fähigkeit des Hörers oder Lesers bewusst gemacht oder auch ignoriert werden kann. Wer die Fabel von Dr. Faustus durch das Goethesche Drama kennt, aber nichts von der Überlieferung des Stoffes weiß, kennt einen Text ohne Kontext. Wer einen Zeitungsartikel über den 11. September 2001 liest, ohne je andere Informationsquellen hinzugezogen zu haben, stützt...

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