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Von der Bildung des Politischen zur politischen Bildung

Politikdidaktische Theorien mit Hannah Arendt weitergedacht

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Evelyn Temme

Hannah Arendt beschäftigt sich in ihren Schriften mit konkreten Erfahrungen in der Welt. Ihr Verständnis von Politik definiert sich durch Phänomenalität und entsteht durch Handeln zwischen den Menschen. Arendt zeigt eine Idee des Politischen, die daran erinnert, dass politisches Handeln Freiheit ist, Freiheit schafft und unterschiedliche Menschen im öffentlichen Raum zusammenführt. Ausgehend von diesen Einsichten zeigt die Verfasserin, dass Arendts Herangehensweise auch für aktuelle politikdidaktische Fragestellungen wegweisend ist. Ihr Werk und ihr in Abgrenzung zu klassischen Theorien entwickeltes politisches Verständnis bietet die Möglichkeit, Konzeptionen politischer Bildung gewinnbringend weiterzudenken.
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7. Schlussbetrachtung

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Wie in den vorangegangenen Kapiteln aufgezeigt wurde, waren die politikdidaktischen Theorien von Kurt Gerhard Fischer, Wolfgang Hilligen und Hermann Giesecke maßgeblich an der Neuorientierung der politischen Bildung seit den 1960er Jahren beteiligt. Ziel dieser neuen Herangehensweise war es, den Lernenden Grundeinsichten in die politische Wirklichkeit und in das Wesen der Demokratie aufzuzeigen. Mit dem Wechsel von einer politisch-pädagogischen zu einer politisch-didaktischen Diskussion innerhalb der politischen Bildung war dabei gleichzeitig auch ein Generationenwechsel verbunden: Die Konstituierung der Fachdidaktik trugen – mit Ausnahme von Wolfgang Hilligen – vor allem Didaktiker, die den Jahrgängen 1926–1930 angehörten. Ihnen allen schreibt Walter Gagel etwas Generationentypisches zu: „Die biographische Prägung haben viele von ihnen durch ihre Zugehörigkeit zu der sog. Luftwaffenhelfergeneration erhalten.“913 Der Geschichts- und Politikdidaktiker Rolf Schörken erkennt bei diesen Jahrgängen, wie auch in der gesamten Gesellschaft, „[…] seit langem eingeschliffene und vom reflektierenden Bewußtsein schwer erfaßbare Verhaltens- und Denkweisen […].“914 Dazu gehört für Schörken eine selbstverständliche Gewöhnung an Autorität, an Gehorsam und an eine prinzipiell hierarchisch verstandene und erlebte Gesellschaftsordnung. Der Generation dieser Jahrgänge fehlte die Erfahrung einer bisher nicht gekannten persönlichen Freiheit. Nach Schörken dauerte es sehr viel länger, bis die Demokratie als Freiheit vor Eingriffen des Staates in das eigene Selbst auch als eine solche verstanden wurde. Die Einsicht, dass Demokratie von unten nach oben funktioniert und dass zu Freiheit auch Gleichheit gehört, war den Didaktikern bis dahin fremd:

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