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Das Heilige als Problem der gegenwärtigen Religionswissenschaft

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Wolfgang Gantke and Vladislav Serikov

Die Beiträge in diesem Sammelband dokumentieren die heutige Diskussion um das Heilige, ein nach wie vor unerledigtes Problem der Religionswissenschaft. Sie wurden auf zwei verschiedenen Veranstaltungen präsentiert: einerseits auf dem Panel «Das Heilige als Problem in der Religionswissenschaft: Fragen und Perspektiven» der 31. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft in Göttingen im September 2013, andererseits auf dem Symposium «Die Diskussion um das Heilige: alte Fragen – neue Antworten» an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main im November 2013. Es geht um drei Themenbereiche: das Werk Rudolf Ottos, Anwendung der Kategorie des Heiligen in der Religionsforschung sowie die theoretische Auseinandersetzung mit der Kategorie des Heiligen.
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Der Menschenkörper und das Heilige

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Der Zusammenhang zwischen dem Heiligen, dessen Kern nach Rudolf Otto das Numinose als eine Deutungs- und Bewertungskategorie bzw. eine eigentümliche Gemütsgestimmtheit in der Form des mysterium und mit dem Gehalt des tremendum und fascinans konstruiert wird,2 und dem menschlichen Körper im religiösen Kontext ist so heterogen, umfangreich und vielfältig wie der Kontext selbst. Jeglicher Versuch, dieses komplexe Thema religionsübergreifend bzw. -vergleichend einigermaßen vollständig darzustellen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Hier können die thematisch relevanten Sachverhalte lediglich stichwortartig bzw. richtungweisend benannt und mit exemplarischen Beispielen versehen werden.

Die Prämisse, die aus der erfassbaren Empirie der materiellen Umgebung hervorgeht, lautet: in der sinnlichen Welt ist die Körperlichkeit eine Voraussetzung für die Wahrnehmung des Heiligen. Demnach entsteht die Religion als spirituelle Bindung des Gläubigen in seiner natürlichen körperlichen Gestalt an das Objekt des Glaubens, welches Rudolf Otto als das Heilige bezeichnet hat. Der Menschenkörper (oder besser der Leib als lebendiger Körper) ist also ein Medium, wodurch das Heilige mit allen Sinnen wahrgenommen werden und ein Instrument, mit dem es in materieller Form reproduziert werden kann (als Doktrin, als Kultusobjekt, als Vision usw.). Der religiöse Reiz wird auf einer physischen, emotionalen, kognitiven, intuitiven Ebene wahrgenommen und kann dann als das Heilige interpretiert, erkannt, erlebt oder auch abgelehnt werden.

Die religionswissenschaftliche Perspektive ermöglicht zahlreiche Herangehensweisen an den zu betrachtenden Themenkomplex; darunter fallen religionshistorische, kunsthistorische, religionspsychologische, religionsphilosophische und andere sachverwandte...

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