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Die tiefenpsychologische Krankengeschichte zwischen Wissenschafts- und Weltanschauungsliteratur (1905–1952)

Eine gattungstheoretische und -historische Untersuchung

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Simone Holz

Der Band stellt erstmals eine Gattungstheorie und -historie der «tiefenpsychologischen Krankengeschichte» bereit. Konkret leistet er viererlei: Erstens liefert er durch die Darreichung eines Gattungsmodells ebenjener Untergattung der Großgattung «Krankengeschichte» einen Beitrag zur Gattungstheorie. Zweitens gewinnt er dadurch einen unkonventionellen Zugang zur Literaturgeschichtsschreibung, dass er eine Reihe wissenschaftlicher Publikationen beleuchtet, die als solche gewiss nicht zum klassischen Literaturkanon gehören. Drittens versteht er sich insofern als wissenschaftshistorische Untersuchung, als er die Historie der tiefenpsychologischen Krankengeschichte als «literarisch-soziale Institution» in eine Art Dialog mit der Historie der Tiefenpsychologie als «außerliterarisch-soziale Institution» treten lässt. Und viertens schließlich stellt er einen Beitrag zur Wissenschaftsrhetorik dar.
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8 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick

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Im Eingangskapitel wurde die ›Krankengeschichte‹ unter Hinweis auf Voßkamps Konzept der Gattung als literarisch-soziale Institution anhand der Erörterung verschiedener buchstäblicher Regelpoetiken der Jahre 1727 bis 1973 als eine auf die Kasuistiken der hippokratischen Epidemien zurückgehende wissenschaftliche Literaturgroßgattung der Medizin und der sich aus ihr ausdifferenzierenden Disziplinen vorgestellt, die sich von sämtlichen ästhetischen Literaturgattungen wie auch der wissenschaftlichen Literaturgattung der Pathografie abgrenzen lässt. Und in der Tat lautete der hier gegebene Lösungsvorschlag für das bislang übersehene Problem der in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft parallel vollzogenen terminologischen Gegenüberstellung von ›literarischer Textsorte‹ als systematischer und ›literarischem Genre‹ als historischer Kategorie bzw. von ›wissenschaftlichen Textsorten‹ und ›ästhetischen/literarischen Gattungen‹ dahin, den ›ästhetischen Literaturgattungen‹ die ›wissenschaftlichen Literaturgattungen‹ an die Seite zu stellen, wobei der Begriff der Literaturgattung sowohl eine systematische als auch eine historische Dimension umfasst. Ferner wurden in besagtem Eingangskapitel vier grundlegende Untersuchungsziele formuliert, auf die es an dieser Stelle noch einmal ausführlicher zurückzukommen gilt. Freilich sind dieselben bis zu einem gewissen Grad miteinander verwoben, doch bietet es sich der Einfachheit halber an, sie nacheinander abzuhandeln, und zwar in der anfangs gewählten Reihenfolge.

Der anvisierte unkonventionelle Beitrag zur Gattungstheorie wurde im Rahmen des zweiten Kapitels geleistet. So hält dieser Theorieteil der Arbeit, der nicht ganz ohne Grund mit einer Kurzdarstellung der zwischen den Wissenschaftstheoretikern Popper, Ricœur, Habermas und Grünbaum überaus kontrovers geführten Diskussion über den szientifischen Status der Tiefenpsychologie beginnt, ein die zentralen Untersuchungsergebnisse in sich vereinigendes...

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