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Skandal im Sprachbezirk

Martin Neef, Susanne Borgwaldt, Iris Forster and Imke Lang-Groth

Skandale als aufsehenerregende Ärgernisse sind Einfallstore für die Beschäftigung mit Themen verschiedenster Art. Dieser Band versammelt in 16 von verschiedenen Autoren verfassten Kapiteln Skandale aus dem Umfeld der Sprache. Affären zwischen Sprachakteuren führen Chomsky und Skinner zusammen ebenso wie Heine und Platen sowie Hoffmann von Fallersleben und die Brüder Grimm. Im Innern der Sprache stoßen sich Skandalforscher an verbotenen Wörtern, an der kurzschlüssigen Gleichsetzung von Genus und Geschlecht und an der mangelhaften linguistischen Fundierung der Orthographiereform. Die Realität des Englischunterrichts in Grundschulen wie auch der drohende Muttersprachenverlust bei Migranten lassen die Frage aufkommen, ob Individuen im Dickicht zwischen den Sprachen verlorenzugehen drohen.
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Die Platen-Affaire: Sprachliche Artistik und polemische Agitation in einer Personalsatire Heinrich Heines

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Renate Stauf

Der Literaturstreit zwischen Heinrich Heine und August von Platen-Hallermünde kann für das Thema sprachbezogener Skandale geradezu als Schulbeispiel angeführt werden, zeigen doch Form, Verlauf und Wirkung dieses Streites, dass sich sein skandalträchtiger Auslöser wie auch seine literaturgeschichtliche Langzeitwirkung weniger einer literarischen Kontroverse als einem missverstandenen sprachlichen Tabubruch verdanken. Der Beitrag verfolgt die These, dass Heines Platen-Polemik ein weitgehend verkanntes satirisches Personenporträt darstellt, das zum einen die damals aus der Mode gekommene Gattung des Pasquills zu neuen Ehren kommen lässt, zum anderen mit seinen sprachlichen Ausfällen und komödiantischen Inszenierungen ein Wagnis der Form eingeht, das Heine gegenüber Platen als den besseren Aristophaniden auszuweisen sucht. Sein Angriff ist mithin auch als selbst­ironischer literarischer Coup zu verstehen, dessen grotesk-komischen und derb-witzigen Überzeichnungen die Absurdität derartiger Attacken vor Augen führen sollen.

The literary quarrel between Heinrich Heine and August von Platen is a paradigmatic example of a linguistic scandal. Form, development, and result of this quarrel demon­strate that it was rather the breaking of a taboo than a serious literary debate which caused the enormous and still ongoing uproar. In this article, it is argued that Heine’s polemic against Platen is not only a widely unrecognized personal satire, re-inventing the out-fashioned genre of pasquil, but also a hazardous literary game in which Heine – with the full force of his literary wit and radicalism – tries to establish himself as the better ‘Aristophaniac’ author....

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