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Skandal im Sprachbezirk

Edited By Martin Neef, Susanne Borgwaldt, Iris Forster and Imke Lang-Groth

Skandale als aufsehenerregende Ärgernisse sind Einfallstore für die Beschäftigung mit Themen verschiedenster Art. Dieser Band versammelt in 16 von verschiedenen Autoren verfassten Kapiteln Skandale aus dem Umfeld der Sprache. Affären zwischen Sprachakteuren führen Chomsky und Skinner zusammen ebenso wie Heine und Platen sowie Hoffmann von Fallersleben und die Brüder Grimm. Im Innern der Sprache stoßen sich Skandalforscher an verbotenen Wörtern, an der kurzschlüssigen Gleichsetzung von Genus und Geschlecht und an der mangelhaften linguistischen Fundierung der Orthographiereform. Die Realität des Englischunterrichts in Grundschulen wie auch der drohende Muttersprachenverlust bei Migranten lassen die Frage aufkommen, ob Individuen im Dickicht zwischen den Sprachen verlorenzugehen drohen.
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Die Fiktion des Faktischen oder: Warum Singular etwas anderes als Einzahl ist

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Martin Neef

Die auf eine zweitausendjährige Geschichte zurückblickende traditionelle Grammatik samt der darauf basierenden sogenannten Schulgrammatik erweckt den Eindruck, als würde sie faktische Konzepte behandeln. Dabei stellt sie lediglich eine Theorie neben anderen, gleichberechtigt möglichen Theorien dar. Kernkonzepte der Schulgrammatik sind Wortarten und Satzgliedfunktionen, wobei einer semantischen Definierbarkeit grammatischer Kategorien Vertrauen geschenkt wird. Die Annahme einer solchen semantischen Definitionsbasis führt allerdings in die Irre, wie ich an einigen Beispielen im Detail zeige. So zeigt sich, dass die Subkategorien der grammatischen Kategorie Person nicht über Partizipanten an einer Sprechsituation wie Sprecher und Hörer definiert werden können, ebensowenig wie Singular dasselbe wie Einzahl ist und Plural dasselbe wie Mehrzahl und ebensowenig wie Genus etwas mit Geschlecht zu tun hat. Auf der Basis dieser Überlegungen deute ich abschließend an, wie in der Schule erfolgversprechender mit grammatischen Konzepten umgegangen werden könnte und wie Laien zu einem entspannteren Verhältnis zu grammatischem Wissen kommen könnten.

Traditional grammar looks back on a history of two thousand years. This approach to grammar as well as the concepts basic for school teaching derived from it give the impression that grammatical categories are facts, while ultimately traditional grammar is merely a possible theory besides others of principally equal status. The core concepts of traditional grammar are parts of speech and syntactic functions. Within this approach, a semantic base for the definition of grammatical categories is taken for granted. This assumption, however, is misleading,...

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