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Zur Notwendigkeit eines Vater-Kind-Erwachsenenstrafvollzuges

Eine kritische Betrachtung der §§ 80 Abs. 1, 142 StVollzG und der bestehenden Vollzugspraxis in Deutschland

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Jana Kudlacek

In Deutschland können straffällige Mütter ihre nicht-schulpflichtigen Kinder im Falle einer Inhaftierung unter bestimmten Umständen während ihres Gefängnisaufenthaltes bei sich behalten. Es hat sich gezeigt, dass diese Kinder seltener von Entwicklungsbeeinträchtigungen betroffen sind und bei der Verinnerlichung von sozialen Normen und Werten weniger Probleme haben, als Kinder, die durch Inhaftierung von ihren Müttern getrennt wurden. Darüber hinaus stellte sich heraus, dass Mütter, die ihre Kinder während der Haft bei sich hatten, seltener rückfällig wurden, als Mütter, die durch eine Inhaftierung von ihren Kindern getrennt wurden. Aufgrund dieser positiven kriminologischen Aspekte des Mutter-Kind-Vollzuges ist dieser ein fester Bestandteil des deutschen Strafvollzuges. Dennoch gibt es kein dementsprechendes Vollzugsmodell für Väter und ihre Kinder. Mit der Frage, ob dieser Zustand kriminologisch sinnvoll ist und juristischen Anforderungen gerecht wird, beschäftigt sich die Untersuchung.
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6. Kapitel: Die Entwicklung der Vaterrolle und damit verbundene Gesetzesänderungen

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Die §§ 80 Abs. 1 und 142 StVollzG stammen aus dem Jahr 1977 und entsprechen dem Familienbild einer vergangenen Zeit. Sie tragen dem klassischen Familienbild Rechnung, nach dem es selbstverständlich war, dass die Bezugsperson eines Kindes stets die Mutter ist.302 Auch heute noch sind Mütter überwiegend Bezugsperson ihrer Kinder.303 Allerdings ist es nicht mehr notwendiger Weise so, dass die Mutter die Rolle der Bezugsperson alleine bekleidet.304

Selbst in den Familien, in denen Vater und Mutter gemeinsam mit ihren Kindern leben, gibt es heute kein einheitliches Vaterbild mehr.305 Vielmehr können die Väter einen „breiten Fächer“ verschiedenster Väterrollen – vom alleinigen Ernährer und Oberhaupt der Familie bis hin zum Hausmann – einnehmen.306 Vermehrt finden sich in diesen Familien mittlerweile die Konstellationen, dass beide Elternteile als gleichberechtigte Bezugspersonen für ihre Kinder nebeneinander stehen.

Auch „Alleinerziehende sind seit vielen Jahren schon keine Ausnahmeerscheinungen mehr.“307 Die Zahlen der amtlichen Statistiken zeigen, dass es 2011 2.685.000 Einelternfamilien308 in Deutschland gab. Im Jahr 2011 machten die ← 73 | 74 → alleinerziehenden Väter unter ihnen 13% aus, das heißt es gab 375.000 alleinerziehende Väter in Deutschland.309

Die Anzahl der alleinerziehenden Väter in Deutschland ist seit 2009 kontinuierlich angestiegen. 2009 lebten noch 240.000 alleinerziehende Väter in Deutschland (10% aller Alleinerziehenden),310 2010 waren es 364.000 (13%)311 und 2011 die eben bereits erwähnten 375.000 (13%).312

Wird einer dieser alleinerziehenden Väter zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, so gibt es f...

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