Show Less
Restricted access

Zur Notwendigkeit eines Vater-Kind-Erwachsenenstrafvollzuges

Eine kritische Betrachtung der §§ 80 Abs. 1, 142 StVollzG und der bestehenden Vollzugspraxis in Deutschland

Series:

Jana Kudlacek

In Deutschland können straffällige Mütter ihre nicht-schulpflichtigen Kinder im Falle einer Inhaftierung unter bestimmten Umständen während ihres Gefängnisaufenthaltes bei sich behalten. Es hat sich gezeigt, dass diese Kinder seltener von Entwicklungsbeeinträchtigungen betroffen sind und bei der Verinnerlichung von sozialen Normen und Werten weniger Probleme haben, als Kinder, die durch Inhaftierung von ihren Müttern getrennt wurden. Darüber hinaus stellte sich heraus, dass Mütter, die ihre Kinder während der Haft bei sich hatten, seltener rückfällig wurden, als Mütter, die durch eine Inhaftierung von ihren Kindern getrennt wurden. Aufgrund dieser positiven kriminologischen Aspekte des Mutter-Kind-Vollzuges ist dieser ein fester Bestandteil des deutschen Strafvollzuges. Dennoch gibt es kein dementsprechendes Vollzugsmodell für Väter und ihre Kinder. Mit der Frage, ob dieser Zustand kriminologisch sinnvoll ist und juristischen Anforderungen gerecht wird, beschäftigt sich die Untersuchung.
Show Summary Details
Restricted access

14. Kapitel: Schlussfolgerungen

Extract

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit konnte gezeigt werden, dass die Einrichtung eines Vater-Kind-Erwachsenenstrafvollzuges sowohl juristisch notwendig, als auch kriminologisch sinnvoll ist.

Die juristische Notwendigkeit ergibt sich daraus, dass das Fehlen eines Vater-Kind-Erwachsenenvollzuges gegen Art. 3 Abs. 2, 3 GG verstößt und daher verfassungswidrig ist. Es mit dem Gleichheitsgrundsatz nicht vereinbar, dass Kleinkinder bei ihren inhaftierten Müttern, nicht aber bei ihren inhaftierten Vätern untergebracht werden können.

Darüber hinaus würde ein Vater-Kind-Vollzug dem primären Vollzugsziel der Resozialisierung gem. § 2 S. 1 StVollzG dienen und den Gestaltungsgrundsätzen des § 3 StVollzG gerecht werden. Die Einrichtung eines Vater-Kind-Vollzuges entspräche auch der Zielsetzung internationaler Abkommen neueren Datums und europäischen Rechts, insb. den Regelungen 36.1 und 36.2 der europäischen Strafvollzugsgrundsätze und Art. 3 Abs. 2 EGV.

Die Schaffung eines Vater-Kind-Vollzuges ist auch kriminologisch sinnvoll und entspricht dem aktuellen Stand empirisch-sozialwissenschaftlicher Forschung.599 Untersuchungen zu Mutter-Kind-Vollzugseinrichtungen haben gezeigt, dass diese Einrichtungen für alle Beteiligten – Mütter, Kinder und damit auch für die Allgemeinheit – von Vorteil sind. Die Mütter lernen Verantwortung und werden seltener rückfällig. Dänische Evaluationsstudien haben gezeigt, dass auch Väter nach einer gemeinsamen Unterbringung mit ihren Kindern seltener rückfällig wurden. Ein Resümee der einschlägigen empirischen Befunde hat zudem gezeigt, dass die Trennung von Eltern und Kindern aufgrund von Inhaftierung in der Regel mit mehr negativen Konsequenzen für die Kinder verbunden ist, als eine gemeinsame Inhaftierung.

Die...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.