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Symbolarme Republik?

Das politische Zeremoniell der Weimarer Republik in den Staatsbesuchen zwischen 1920 und 1933

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Michael Meyer

Diese der Neuen Politikgeschichte verpflichtete Studie untersucht die Repräsentationspolitik der Weimarer Republik anhand der drei Staatsbesuche, die zwischen 1920 und 1933 stattfanden. Durch die umfangreiche Auswertung der einschlägigen deutschen und englischen Archivbestände, sowie die Einbeziehung der nationalen wie internationalen Pressereaktionen wird ihre große politische und gesellschaftliche Bedeutung deutlich. Der Mythos von der «symbolarmen Republik» erweist sich in der Analyse als haltlos, da eine das staatliche Selbstverständnis der Republik betonende Repräsentationspolitik erkennbar wird.
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4. »Die Premiere« König Amanullah von Afghanistan

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Nachdem mit General Calles 1924 zwar ein designiertes, aber dem staatsrechtlichen Verständnis nach noch nicht regierendes Staatsoberhaupt Deutschland besucht hatte, stand mit Amanullah die Anwesenheit des regierenden Königs von Afghanistan an. Er war der Herrscher eines sehr traditionalen Landes, das sich über Jahrhunderte möglichst umfassend vom Rest der Welt abgeschottet hatte. Dennoch verlieh die geostrategische Lage als „Puffer“ zwischen Russland und Britisch-Indien Afghanistan eine außerordentliche internationale Bedeutung. Erst nach dem dritten englisch-afghanischen Krieg (Mai bis August 1919) erlangte das sich bereits unter der Herrschaft Amanullahs (seit Februar 1919) befindliche Afghanistan seine vollständige politische Unabhängigkeit.136

Amanullah war anders als seine Vorgänger kein sehr religiöser Herrscher. Er war im westlichen Sinne gebildet und interessierte sich vielmehr für die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die der Entwicklung des Landes dienten. Seine säkulare Einstellung zeigte sich deutlich, als er, als erster afghanischer Monarch, den traditionalen und religiös konnotierten Titel „Emir“ zugunsten des (westlichen) Titels „König“ ablegte.137 Zudem leitete König Amanullah eine Reihe grundlegender gesellschaftlicher Reformen nach westeuropäischen Vorbild ein: Erarbeitung einer konstitutionellen Verfassung, Einführung einer auch für Mädchen geltenden allgemeinen Grundschulpflicht, Verkündung der Pressefreiheit und allgemeiner Grundrechte sowie Aufbau einer zeitgemäßen Verkehrsinfrastruktur und Industrialisierung der afghanischen Wirtschaft.138

Die außenpolitische Konsolidierung der afghanischen Unabhängigkeit und die Weiterführung der begonnenen innenpolitischen „Modernisierung“ seines Landes bildeten den Hintergrund für die Reise, die Amanullah von Asien über Afrika nach Europa f...

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