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Symbolarme Republik?

Das politische Zeremoniell der Weimarer Republik in den Staatsbesuchen zwischen 1920 und 1933

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Michael Meyer

Diese der Neuen Politikgeschichte verpflichtete Studie untersucht die Repräsentationspolitik der Weimarer Republik anhand der drei Staatsbesuche, die zwischen 1920 und 1933 stattfanden. Durch die umfangreiche Auswertung der einschlägigen deutschen und englischen Archivbestände, sowie die Einbeziehung der nationalen wie internationalen Pressereaktionen wird ihre große politische und gesellschaftliche Bedeutung deutlich. Der Mythos von der «symbolarmen Republik» erweist sich in der Analyse als haltlos, da eine das staatliche Selbstverständnis der Republik betonende Repräsentationspolitik erkennbar wird.
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7. Fazit: Ein „Weimarer Zeremoniell“?

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Abschließend Besonderheiten eines „Weimarer Zeremoniells“ herauszustellen, ohne das bei den Staatsbesuchen Gesehene in einen größeren Vergleich mit dem Zeremoniell des Kaiserreichs, der Bundesrepublik oder anderer Staaten zu stellen, scheint problematisch. Ein solches Unterfangen muss einer größeren Arbeit vorbehalten bleiben. Dennoch versetzt uns die Einbeziehung der britischen Reaktionen in die Lage, Eigenheiten im Zeremoniell der Weimarer Republik festzustellen. Besonders die Berichterstattung der „Daily Telegraph“ anlässlich des Besuchs des afghanischen Königs – der stilbildend für den Fuad-Besuch war und selbst die Erfahrungen des Calles-Besuchs in sich trug – hatte einen scharfen Kontrast zwischen dem Empfangszeremoniell der Weimarer Republik und des Kaiserreichs aufgezeigt. Demnach war die Begrüßung des aus dem Salonwagen steigenden Staatsgastes im Kaiserreich vielmehr das Aufeinandertreffen zweier Dynastien.432 Die „Daily Telegraph“ hatte beschrieben, wie der Kaiser umringt von den anderen Mitgliedern des Herrscherhauses und anderer Offizieller den Gast in Empfang genommen hatte. Auch war das Bild geprägt von den bunten Uniformen. Anders bei den Staatsbesuchen zwischen 1920 und 1933: der Reichspräsident alleine begrüßte als deutsches Staatsoberhaupt die ankommenden Gäste im Namen des deutschen Volkes. Auch war das Erscheinungsbild eher schlicht und von den schwarzen, bürgerlichen Kleidern der deutschen Repräsentanten geprägt, die in scharfen Kontrast zu den bunten Uniformen des afghanischen und ägyptischen Monarchen traten. Diese relative Schlichtheit und Zurückhaltung in der äußeren Gestaltung zeichnete die Staatsbesuche der Weimarer Republik aus. Doch darf diese Zurückhaltung nicht als Armut im negativen Sinne gedeutet werden, wie es...

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