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Kulturelle Schlüsselbegriffe der Schweiz im öffentlichen Diskurs

Eine kultursemantische Untersuchung

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Jadwiga Madej

Der Band zeigt die Eigenarten der Schweiz an relevanten Stichworten aus Geschichte, Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft sowie dem sozialen Leben und der eidgenössischen Mentalität auf. So offenbaren sich die eigentümlichen Aspekte der schweizerischen Identität anhand kultureller Schlüsselbegriffe. Wichtige Assoziationen und Positionen zu den Schlüsselbegriffen sind jeweils anhand der Gedanken und Werke diverser Schriftsteller dargestellt. Den Abschluss bildet eine linguistische Graduierung und Klassifizierung der Schlüsselbegriffe. Ihr idiomatischer Charakter erlaubt es, die Schlüsselbegriffe als kulturelle Idiome mit verschiedenen Graden an Idiomatizität zu betrachten. Über die Grenzen der Schweiz hinaus ist die Untersuchung auch für das Gebiet der deutschen Sprache und Kultur relevant.
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3. Kulturelle Schlüsselbegriffe auf dem Hintergrund traditioneller Semantik

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Ein Wort ohne Bedeutung ist kein Wort, sondern ein leerer Klang.78

Sprachwissenschaftliche Semantik (‚semantikós‘ = bezeichnend) ist die Lehre von den Bedeutungen und den Bedeutungsbeziehungen sprachlicher Zeichen im System der natürlichen Sprache.79 Die Aufgabe der sprachwissenschaftlichen Semantik besteht darin, Bedeutungen und Bedeutungsbeziehungen sprachlicher Zeichen zu beschreiben. Bedeutungen zu beschreiben heißt, die Relation ‚signifié-signifiant‘ zu erforschen; also festzulegen, welche Bedeutung einer bestimmten Form zukommt. Bedeutungsbeziehungen zu beschreiben heißt: ‚signifie‘ unter dem Aspekt der paradigmatischen ‚signifié-signifié‘-Relation zu hinterfragen (← 93 | 94 → d. h. Beziehungen, die zwischen den Bedeutungen sprachlicher Zeichen entstehen, zu untersuchen).80

In der einschlägigen Literatur werden bestimmte semantische Analyseebenen unterschieden. Traditionellerweise konzentriert sich die semantische Theorie auf die Wortebene. Mit der Entfaltung der Textlinguistik ist das Interesse auch für die Erforschung der Bedeutung von Satz- und Textstrukturen gewachsen. Aus diesem Blickwinkel unterscheidet man im Rahmen der sprachwissenschaftlichen Semantik: Wortsemantik, Satzsemantik und Textsemantik.

Als ‚traditionelle Semantik‘ wird in der einschlägigen Literatur die Semantik des 19. Jahrhunderts bezeichnet, welche sich unter dem Einfluss der historischen Sprachwissenschaft entwickelt hat. Die traditionelle Semantik ist die Lehre von der Geschichte der Bedeutungsveränderungen von Wörtern (Wierzchowski 1979). Sie untersucht damit die Entwicklung von Wortbedeutungen und beobachtet die Art der Entwicklung von Bedeutung der sprachlichen Formen. Als Begründer der traditionellen Semantik gelten der Sprachwissenschaftler Christian Karl Reisig aus Jena (Schöpfer des Begriffs ‚Semasiologie‘) und der französische Gelehrte Michel Bréal, der den Terminus ‚Semantik‘ (s...

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