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Sozio-Kultur und Entwicklungspraxis

Die äthiopische staatliche Hochschulreform

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Werner Jakob Stueber

Kulturen bzw. Gesellschaften in ihrer spezifischen Prägung haben systemischen Charakter und bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtung. Im Zuge entwicklungspolitischer Maßnahmen erfolgen Wissens- und Technologietransfer untrennbar vom Kulturtransfer. Eine Nahtstelle dieses Geschehens ist der Bildungsbereich. Aus einem anders gearteten kulturellen Kontext in einen bestimmten traditionellen Gesellschaftstypus hineinwirkende Maßnahmen zwischenstaatlicher Entwicklungshilfe stellen eine Intervention in ein fremdes sozio-kulturelles Milieu dar. Die skizzierten Zusammenhänge werden am Beispiel des Projektalltages an der deutsch-äthiopischen Modellhochschule, der Adama University, aufgezeigt.
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Vorwort

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Trotz eines beachtlichen und konstanten Wirtschaftswachstums im zurückliegenden Jahrzehnt wird Äthiopien nach dem Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen nach wie vor zu den ärmsten Ländern gerechnet. Für 2012 weist der HDI Äthiopien Rang 173 von insgesamt 187 Ländern zu (vgl. UNDP HDI 2013) Nach dem Sturz des sozialistisch orientierten Derg-Regimes Mengistu Haile Mariams amtierte die äthiopische Bundesregierung unter Staatspräsident Meles Zenawi seit 1995 mit neuer Verfassung und neuer wirtschaftspolitischer Ausrichtung. Sie entschied 2004 im Rahmen eines Staatsbesuches des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder mit deutscher Hilfe ein ehrgeiziges Entwicklungs- und Reformprogramm auf den Weg zu bringen mit dem Ziel, wirtschaftliche, insbesondere privatwirtschaftliche Entwicklung in enger Verzahnung mit dem Ausbau des berufsbildenden Sektors und einer Reform der universitären Berufschullehrer- und Ingenieurausbildung zu erreichen. Ausgewählte Wirtschaftsbranchen1, denen bei Gewährleistung entsprechender Qualitätsstandards Chancen auf dem Weltmarkt zugeschrieben wurden, sollten ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Aus- und Weiterbildung qualifizierter Arbeitskräfte erhöhen.

Seit 2005 förderte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Äthiopien das bilaterale, von ihrem Tochterunternehmen, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (giz), umgesetzte und zu den größten und personalintensivsten Vorhaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zählende Engineering Capacity Buildung Program (ecbp).2 Das ecbp umfasste die vier Komponenten: Universitätsreform, Berufsbildungsreform, Verbesserung der Qualitätsinfrastruktur und Privatwirtschaftsentwicklung. Als Projektpartner für die Universitätsreform, d.h. die Struktur- und Ausbildungsreform ausgewählter äthiopischer staatlicher Hochschulen, rekrutierte der Deutsche ← vii | viii → Akademische Austauschdienst (DAAD) das akademische...

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