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Sozio-Kultur und Entwicklungspraxis

Die äthiopische staatliche Hochschulreform

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Werner Jakob Stueber

Kulturen bzw. Gesellschaften in ihrer spezifischen Prägung haben systemischen Charakter und bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtung. Im Zuge entwicklungspolitischer Maßnahmen erfolgen Wissens- und Technologietransfer untrennbar vom Kulturtransfer. Eine Nahtstelle dieses Geschehens ist der Bildungsbereich. Aus einem anders gearteten kulturellen Kontext in einen bestimmten traditionellen Gesellschaftstypus hineinwirkende Maßnahmen zwischenstaatlicher Entwicklungshilfe stellen eine Intervention in ein fremdes sozio-kulturelles Milieu dar. Die skizzierten Zusammenhänge werden am Beispiel des Projektalltages an der deutsch-äthiopischen Modellhochschule, der Adama University, aufgezeigt.
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Einleitung

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„Kultur ist nichts anderes als ein Ensemble erworbener Eigenschaften. Kultur ist der besondere Umgang mit der Welt, der eine bestimmte Gemeinschaft auszeichnet und nicht durch die erbliche Ausstattung der Mitglieder diktiert ist“ (Gellner 1993, S. 12). Diese aus kulturanthropologischer Sicht3 gegebene Definition unterstreicht implizit die Veränderbarkeit gewachsener kultureller Systeme, deren konstitutive Offenheit für Veränderung und Wandel, kurzum Kategorien, die in der entwicklungssoziologischen Debatte von grundsätzlicher Bedeutung sind. Dabei werden im engeren Sinne die sozio-kulturellen Faktoren von den kulturellen abgegrenzt. Während Letztere allgemein Unterscheidungsmerkmale im Vergleich von Kulturen bezeichnen, thematisieren Erstere die Rolle kultureller Aspekte im innergesellschaftlichen Funktionszusammenhang (vgl. Bliss 1997, S. 21). In der entwicklungspolitischen Debatte stellte sich in den zurückliegenden Jahrzehnten allmählich eine Akzentverschiebung ein; die Erkenntnis rückte in den Vordergrund, „dass die Standards nur von den ‚sich entwickelnden‘ Gesellschaften selbst aufgestellt werden können. Sie sind also von Gesellschaft zu Gesellschaft resp. von Kultur zu Kultur unterschiedlich.“ (Bliss 1997, S. 17). Entwicklung bedeutet in diesem Sinne immer auch eine Veränderung des bodenständig gegebenen kulturellen Repertoires, ausgelöst durch Einwirkung von und/oder Konfrontation mit neuen Herausforderungen an die Adaptionsfähigkeit der ← 1 | 2 → eigenen, d. h. der tradierten Orientierungen. Wie sich diese Zusammenhänge in Rahmen des Hochschulreformprojektes an der Adama University darstellen, soll die vorliegende Arbeit aufzeigen.

In der nachkolonialen Phase in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Einbeziehung der Entwicklungsländer in die Strukturen der industriellen Kultur unter anderen Prämissen...

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