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Bewegte Sprache

Leben mit und für Mehrsprachigkeit

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Edited By Antonella Nardi and Dagmar Knorr

Mehrsprachigkeit begegnet einem heutzutage überall; sie hat alle Lebensbereiche und Kommunikationsformen erfasst. Mehrsprachigkeit wird gelebt, weil die Mitglieder unserer Gesellschaft selbst mehrsprachig sind. Es sind Personen, die ihre sprachlichen Ressourcen in das gesellschaftliche Miteinander einbringen – so wie Antonie Hornung, der dieser Band gewidmet ist. Hierzu gehört auch der Wechsel zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Regionen. Mit den Personen bewegt sich auch die Sprache. Der Umgang mit Mehrsprachigkeit umfasst individuelle, didaktische und wissenschaftliche Facetten, die in diesem Band beleuchtet werden. Daher sind die Beiträge auf Deutsch, Italienisch, Englisch und Spanisch verfasst und vertreten sprachwissenschaftliche, didaktische und literaturwissenschaftliche Diskurse, die Mehrsprachigkeit in verschiedener Weise thematisieren. Gemeinsam ist ihnen die Basis, einen Menschen als Individuum mit seinen sprachlichen Fähigkeiten wahrzunehmen und wertzuschätzen.
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Wer bin ich, und wer möchte ich sein?: Überlegungen zum Aufbau von Sprachidentität: Ulrike Reeg

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The sum of human wisdom is not contained in any one language, and no single language is CAPABLE of expressing all forms and degrees of human comprehension.(Ezra Pound 1960, 34)

Der Beitrag beschäftigt sich vor dem Hintergrund sozialpsychologisch orientierter Identitätsforschung mit dem Problem der Konstruktion von Sprachidentität als Selbstidentifikation mit Sprache. Dabei wird Mehrsprachigkeit als didaktisches Prinzip reflektiert und Möglichkeiten des Aufbaus und der Aushandlung von Sprachidentität auch durch Formen der Selbstnarration und Selbstinszenierung im Fremdsprachenunterricht diskutiert.

1Ausgangspunkt: Von der Notwendigkeit, sich eine Fremdsprache ‚passend zu machen‘

Franco Biondi, italienischstämmiger Autor der deutschsprachigen Interkulturellen Literatur, vertritt die Auffassung, dass grundsätzlich jeder Mensch, der sich mit einer Fremdsprache auseinandersetzt, in einem unablässigen Prozess bestrebt sein müsse, „eine bestimmte Entsprechung zwischen sich selbst und der Sprache“ zu finden.1 Es handele sich folglich darum, „ein eigenes Zuhause in der Sprache“ zu errichten (vgl. Biondi 1986). Ich stelle diese Äußerungen meinen Überlegungen zu fremdsprachlichen Lernprozessen als Leitgedanken voran.

Biondi geht dabei von der Kulturbedingtheit sämtlicher sprachlicher Äußerungsformen aus, einer Prämisse, die bekanntermaßen auch für die in den letzten Jahren entwickelte, interkulturelle Fremdsprachendidaktik in besonderer Weise zielbestimmend geworden ist: Lernende sollen dahingehend gefördert werden, diese Kulturbedingtheit zu erkennen und dabei zu einer multiperspektivischen Sichtweise zu gelangen, die sowohl Fremd- als auch Selbstwahrnehmung umfasst sowie den ← 13 | 14 → Aufbau von interkultureller Handlungskompetenz (vgl. exemplarisch Huneke/Steinig 2010, 199ff.).

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