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Die Amazone

Geschlecht und Herrschaft in deutschsprachigen Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen (1670–1766)

Series:

Jennifer Villarama

Amazonen, die Kriegerinnen aus der antiken Mythologie, sind seit Jahrhunderten Gegenstand der Literatur. Jennifer Villarama untersucht erstmalig vertiefend die Rezeption und literarische Bearbeitung des Amazonen-Stoffes im deutschsprachigen Raum der Frühen Neuzeit. Sie analysiert, aus welchen Gründen auf bestimmte Amazonen-Mythen zurückgegriffen wurde und wie zeitgenössische Debatten um die weibliche Regierungsfähigkeit oder die Beschreibung ferner Länder die Konzeption der Amazone in der frühneuzeitlichen Hofkultur beeinflusst haben. Das kulturhistorisch und interdisziplinär ausgerichtete Buch zeigt am Beispiel von Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen, wie vielschichtig die Figur der Amazone seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert funktionalisiert wurde.
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2 Antike Amazonen-Mythen und ihre Rezeption in der Frühen Neuzeit

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2Antike Amazonen-Mythen und ihre Rezeption in der Frühen Neuzeit

2.1Zentrale Mythologeme und antike Amazonen-Figuren

Amazonen wurden im Altertum in der Stadt Themiskyra am Thermodon (im Norden Kleinasiens), in Lykien (Südwesten Kleinasiens), Thrakien (östliche Balkanhalbinsel) oder Libyen lokalisiert.366 Ihre Verortung an den Rand der hellenistischen Welt verweist bereits auf die Funktion dieser von antiken Dichtern und Historiographen entworfenen Kriegerinnen-Figur: Die Amazone ist das Andere, das Exotische, das Ferne, die Fremde selbst, der Inbegriff der ‚verkehrten Welt’. Als „Spiegelbild des attischen Kriegers“367 repräsentiert sie „die Verkehrung von Normalität“368 und stellt „das Ausgegrenzte aus einer gegebenen Ordnung“369 dar. Der Entwurf der Amazone diente den Griechen in ihrer „identitätsbildenden Tradition“370 daher zur Selbstvergewisserung, zur Bestätigung des Eigenen.

Hierauf ist die Beschreibung der Männer herausfordernden, fremden Frauen zurückzuführen: In Homers Ilias gelten sie beispielsweise als männergleich (antiáneirai),371 wobei dieser Begriff einerseits als „den Männern gleichwertig“,372 andererseits als „männerfeindlich“373 aufgefasst werden kann.374 So heißt es im „Dritten Gesang“ (III 189):

„Einstens kam ich [Priamos, der Fürst von Troja] sogar nach Phrygiens Rebengefilde, / Wo ich rossetummelnde Phryger erblickte, / Otreus’ Volk und das Heer des götterähnlichen Mygdon, […] / Jenes Tags, da mit männlicher Kraft Amazonen sich nahten.“

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