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Die Amazone

Geschlecht und Herrschaft in deutschsprachigen Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen (1670–1766)

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Jennifer Villarama

Amazonen, die Kriegerinnen aus der antiken Mythologie, sind seit Jahrhunderten Gegenstand der Literatur. Jennifer Villarama untersucht erstmalig vertiefend die Rezeption und literarische Bearbeitung des Amazonen-Stoffes im deutschsprachigen Raum der Frühen Neuzeit. Sie analysiert, aus welchen Gründen auf bestimmte Amazonen-Mythen zurückgegriffen wurde und wie zeitgenössische Debatten um die weibliche Regierungsfähigkeit oder die Beschreibung ferner Länder die Konzeption der Amazone in der frühneuzeitlichen Hofkultur beeinflusst haben. Das kulturhistorisch und interdisziplinär ausgerichtete Buch zeigt am Beispiel von Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen, wie vielschichtig die Figur der Amazone seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert funktionalisiert wurde.
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4 Amazonen in der Oper

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4Amazonen in der Oper

4.1Amazonen-Figuren in der Oper der Frühen Neuzeit

Die Beliebtheit des Amazonen-Themas im Barock spiegelt sich nicht nur im Roman, sondern auch in der frühneuzeitlichen Oper wider. War nicht auch die Bühne ein idealer Ort, um das Potential der mythischen Kriegerinnen als Herausforderung der Männerwelt einem Publikum vor Augen zu führen, das beispielsweise nur bedingt auf Amazonen-Romane zurückgreifen konnte? Wo sonst, wenn nicht in der Oper, die durch die miteinander verbundenen Zeichensysteme wie Dichtung, Musik und mimetisches Figurenspiel852 das Publikum mit einer affektreichen Handlung unterhalten und rühren wollte, konnten Geschlechterverhältnisse und Geschlechterkampf anschaulicher dargestellt werden? Ebenso wie die bereits erwähnte Medea-Figur, deren Furor in den Opern des 17. und 18. Jahrhunderts als Merkmal gerne herausgestellt wurde, waren die streitbaren Amazonen als Garantinnen für opernintendierte Affektentladungen prädestiniert.

Als erster Operntext, in dem der Amazonen-Stoff zum wesentlichen Handlungselement gewählt wurde, gilt Giovanni Faustinis (1615-1651) L’Euripo, der 1649 in Venedig zur Aufführung kam.853 Bei Faustinis Titelhelden handelt es sich um den Sohn der Amazonenkönigin Penthesilea, den sie in Amazonenkleidung als Mädchen tarnt, um ihn vor ihren männerfeindlichen und somit auch Knaben mordenden Mitstreiterinnen zu schützen. Unbemerkt lebt der Prinz unter den mythischen Kriegerinnen, bis Penthesilea im Kampf von Achilles getötet wird und Euripo als vermeintliche Amazone in Gefangenschaft gerät. Wie in den Romanen wird sein Geheimnis aus Liebe zu einer Prinzessin gelüftet, so dass...

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