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Antisemitismus im Reichstag

Judenfeindliche Sprache in Politik und Gesellschaft der Weimarer Republik

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Susanne Wein

Die Studie untersucht erstmals judenfeindliche Äußerungen im Reichstag der Weimarer Republik und weist nach, dass Antisemitismus ein relevantes Deutungsmuster darstellte. Aus zahlreichen Beispielen der Themenfelder Ostjudendebatten, Barmat-Skandal und Reparationen sowie anhand des Umgangs mit Abgeordneten jüdischer Herkunft erarbeitet das Buch eine Sprache der Judenfeindschaft von manifester Propaganda bis hin zu kulturell eingeschriebenen Wendungen. Der antisemitischen Agitation der Rechtsextremen und den codierten Sprachmustern der Rechten stehen entweder ausbleibende oder zunehmend erlahmende Reaktionen der bürgerlichen und linken Parteien gegenüber. Sie verdeutlichen einen Mangel an Sensibilität für die Macht des Wortes und weisen auf ein Versagen von Teilen der Öffentlichkeit hin.
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Ergebnisse und Resümee

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Diese Studie über antisemitische Vorkommnisse im Reichstag hat in verschiedenen Zugriffen auf die Plenardebatten und ihre Kontextualisierung gezeigt, dass der Antisemitismus in der politischen Kultur der Weimarer Republik eine feste Größe und ein relevantes Deutungsmuster darstellte.

Der Reichstag als besonderer Ort bildete zwar eine spezifische Kommunikation und eigene Modi an Aushandlungsprozessen aus, diese veränderten aber kaum die Milieugebundenheit der einzelnen Abgeordneten. Ihre Äußerungen in den Plenardebatten gaben üblicherweise die Haltung ihrer Partei wieder. Das zeigte sich teilweise holzschnittartig, wenn die Deputierten ihre Reden in erster Linie an die Öffentlichkeit nach draußen richteten, während die gelungene parlamentarische Kommunikation im Sinne einer Kompromissbildung in den Ausschüssen und in Absprachen abseits der Öffentlichkeit stattfand. Sieht man von formalisierter Alltagsarbeit ab, in der über unstrittige Ausschussberichte abgestimmt oder Anträge bzw. Gesetzesentwürfe ohne Aussprache an Ausschüsse verwiesen wurden, glichen die Debatten einem oft sprachlich würzigen Schlagabtausch von Parteimeinungen, der die politischen Gegnerinnen und Gegner immer wieder auch persönlich treffen sollte. Hier wurde der Wahlkampf weitergeführt, der angesichts von fünf Reichstagswahlen in zehn Jahren ohnehin kaum stillstand.

Deshalb, und weil hier Mikro- und Makroebene der politischen Gesellschaft aufeinandertrafen, eignete sich dieser Ort als Kristallisationspunkt in besonderem Maße für eine Untersuchung des Antisemitismus in der politischen Kultur der Weimarer Republik. Die festgestellte Häufigkeit von judenfeindlichen und antisemitischen Invektiven in den Protokollen der Reichstagsdebatten von 1920 bis 1932 war überraschend und die Vorfälle konzentrierten sich keinesfalls auf...

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