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Antisemitismus im Reichstag

Judenfeindliche Sprache in Politik und Gesellschaft der Weimarer Republik

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Susanne Wein

Die Studie untersucht erstmals judenfeindliche Äußerungen im Reichstag der Weimarer Republik und weist nach, dass Antisemitismus ein relevantes Deutungsmuster darstellte. Aus zahlreichen Beispielen der Themenfelder Ostjudendebatten, Barmat-Skandal und Reparationen sowie anhand des Umgangs mit Abgeordneten jüdischer Herkunft erarbeitet das Buch eine Sprache der Judenfeindschaft von manifester Propaganda bis hin zu kulturell eingeschriebenen Wendungen. Der antisemitischen Agitation der Rechtsextremen und den codierten Sprachmustern der Rechten stehen entweder ausbleibende oder zunehmend erlahmende Reaktionen der bürgerlichen und linken Parteien gegenüber. Sie verdeutlichen einen Mangel an Sensibilität für die Macht des Wortes und weisen auf ein Versagen von Teilen der Öffentlichkeit hin.
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Einleitung

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Trotz der vielfältigen und umfangreichen Forschungen über den Antisemitismus in Deutschland gibt es noch keine Gesamtdarstellung über die Relevanz, das Ausmaß und das Einwirken antisemitischer Einstellungen auf die politische Kultur der deutschen Gesellschaft während der Zeit der Weimarer Republik.2 Da sich Fragen zu Haltungen und Einstellungen vergangener Zeiten jedoch ohnehin kaum statistisch erheben lassen, wird auch diese Studie das Desiderat nicht beheben. Vielmehr will sie einen weiteren Baustein zu den Einzelstudien über die 1920er Jahre liefern, die über das dort wirkungsmächtige Judenbild mit seinen manifest- wie codiert-antisemitischen Formen geforscht haben und die in weiten Teilen konvergente Ergebnisse aufweisen.3 Als gesicherte Erkenntnis kann inzwischen gelten, dass Antisemitismus in der Weimarer Republik eine feste und sichtbare Größe darstellte und Jüdinnen und Juden aller gesellschaftlichen Schichten und in verschiedenen Milieus im öffentlichen wie im privaten Bereich auf vielfältige Weise immer wieder davon betroffen sein konnten.

Der Weimarer Reichstag als exponierter Ort politischer Kultur, an dem Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen politischen Weltanschauungen sowie unterschiedlicher Teilkulturen aufeinandertrafen und ihre parteipolitischen Einstellungen öffentlich vertraten, ist als Institution trotz seiner Schnittstellenposition in der Forschung lange vernachlässigt worden.4 Eine Untersuchung, die den Inhalt der Plenardebatten der 1920er Jahre ins Zentrum stellt und die Aktionen und Reaktionen der Parlamentarierinnen und Parlamentarier zu bestimmten Themenfeldern betrachtet, gibt es bisher nicht.5 ← 15 | 16 →

Parlament und Regierungskabinett „machten“ zwar „die Politik“ und verkörperten die Makroebene im horizontalen Schichtmodell des politischen Systems von Politik und Gesellschaft; aber die...

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