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Sprache der Generationen

2., aktualisierte Auflage

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Edited By Eva Neuland

Mit dem Sammelband Sprache der Generationen wird dem interdisziplinären Gegenstandsfeld Generation eine bedeutsame linguistische Perspektive hinzugefügt: Welche spezifischen Sprachgebrauchsweisen herrschen in bestimmten Generationen vor? Haben sie die Entwicklung der Gemeinsprache beeinflusst? Wie verändert sich der Sprachgebrauch mit der generationellen Zugehörigkeit, v.a. in Jugend und Alter? Gibt es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Generationen? Welche Generationsbilder werden sprachlich konstruiert? Auf solche und andere Fragen bieten die Beiträge dieses Bandes erste theoretisch fundierte und empirisch gestützte Antworten und eröffnen Perspektiven in einem noch weitgehend unbearbeiteten Forschungsfeld der Sprachwissenschaft und speziell der Soziolinguistik.
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Liebeserklärungen zwischen Ernsthaftigkeit und Fiktionalisierung. Inszenierung von Leidenschaft in schriftlichen Liebesbotschaften von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen: Eva Lia Wyss

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Erstaunlicherweise schreiben bereits Kinder - kaum haben sie schreiben gelernt - kleine Liebesbotschaften wie zum Beispiel: „Lieber Michael/Ich habe dich/Ich habe gehört das Petra/dich nicht mehr hat/Jetzt möchte ich das du mit/mir gehst//PS: Schreibe die Antwort/und gebe mir sie so das/niemand es siht./Sage es Bitte niemandem/Herzliche Grüsse von/Brigitte“ (ZLA 505, 1972).2 Auf diese Weise teilt hier eine 8-Jährige einem Jungen ihrer Klasse ihr Begehren mit. Schreibanlass ist nicht das Gefühl, sondern die Tatsache, dass er wieder zu haben ist.

Sie kennt wohl die ‚Bausteine‘ eines Briefs, doch der Aufbau folgt nicht wirklich den Regeln der Kunst: Es fehlen die einleitenden Worte, am Schluss gibt es ein Durcheinander. Sie positioniert, nach dem Vorbild der mündlichen Verabschiedung, die Grußformel am Schluss. Ob-schon auch Satzbau und Orthografie Mängel aufweisen, zeugt der Wortschatz doch sehr vom Bestreben, die für die Schreiberin adäquate Sprache der Liebe einzubringen. Der Gefühlsausdruck wird mit der kindlichen Routineformel „ich habe dich“ wiedergegeben, um daran anschließend den Wunsch, jetzt möchte ich, das[s] du mit mir gehst“, anzubringen. Sowohl der Besitz wie auch das Halten auf der einen Seite und die Fortbewegung auf der anderen Seite werden bereits als einschlägige Metaphernfelder des Liebesdiskurses eingeführt. Sie bilden eine Grundlage für die Ausdif ← 145 | 146 → ferenzierung weiterer andeutungsreicher Metaphern der Vereinigung und des gemeinsamen Wegs. Offensichtlich teilt sie ihm also mit, dass sie ihn begehrt und möchte, dass sie ihn begehrt und...

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